Ein Baustoffkonzern, der im ersten Halbjahr keinen einzigen Euro Gewinn übrig behält – das ist die Nachricht, die Wienerberger-Aktionäre gerade verdauen müssen. Der Kurs reagiert entsprechend deutlich und markiert ein neues Mehrjahrestief.
Am Freitag schloss die Aktie bei 19,29 Euro, ein Minus von 1,5 Prozent zum Vortag. Damit liegt der Titel nur noch 1,5 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 19,00 Euro. Der RSI-Wert von 29,3 zeigt eine technisch stark überverkaufte Aktie – ein Signal, das Marktteilnehmer aufmerksam registrieren.
Vom Gewinn zur Nullrunde
Der eigentliche Auslöser der Talfahrt liegt im operativen Geschäft. Wienerberger hat im ersten Halbjahr unter dem Strich 0 Euro erzielt. Im Vorjahreszeitraum standen noch 106 Millionen Euro Gewinn zu Buche.
Ein Sonderposten drückt das Ergebnis zusätzlich nach unten. Das Unternehmen zahlt 47 Millionen Euro, um ein US-Kartellverfahren beizulegen. Die Finanzvorständin betonte, man habe sich „nichts zu Schulden kommen lassen“. Man habe aber befürchtet, im laufenden Verfahren am Ende noch mehr zu verlieren – zumal andere Firmen der Branche bereits Vergleiche gezahlt hatten.
Hinzu kommt die schwache Baukonjunktur. Die Werke laufen nur zu 60 bis 70 Prozent ihrer Kapazität. Interims-CEO Hanke verweist auf eine strategische Neuausrichtung: Der Konzern verlagert sein Geschäft stärker auf Renovierung und Infrastruktur. Die erhoffte Erholung im Wohnungsneubau sei „bislang ausgeblieben“, so Hanke.
Führungswechsel sorgt für zusätzliche Unsicherheit
Zur schwachen operativen Lage kommt ein überraschender Personalwechsel an der Spitze. Der bisherige CEO Heimo Scheuch trat aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zurück. Sein Stellvertreter Hanke übernahm interimistisch.
Die Suche nach einem dauerhaften Konzernchef läuft noch. Für Anleger bedeutet das: Zur operativen Schwäche kommt eine offene Frage in der Führung – zwei Unsicherheitsfaktoren gleichzeitig.
Der stark überverkaufte RSI-Wert deutet zumindest kurzfristig auf mögliches Erholungspotenzial hin. Fundamental hängt die weitere Entwicklung aber von zwei Dingen ab: einer Stabilisierung der europäischen Baukonjunktur und der Frage, wie schnell Wienerberger einen neuen CEO findet.
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