Die Wienerberger AG blickt auf eine turbulente Woche zurück, die von einem herben Ergebniseinbruch und einem plötzlichen Wechsel an der Unternehmensspitze geprägt war. Während der Ziegel- und Rohrsystemhersteller seinen Umsatz im ersten Halbjahr leicht steigern konnte, blieb unter dem Strich kein Gewinn übrig. Zeitgleich muss der Konzern nach dem Rücktritt des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Heimo Scheuch eine neue Führungsstruktur etablieren.
Ergebniseinbruch belastet die Halbjahresbilanz
Am Mittwoch legte Wienerberger die Geschäftszahlen für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres vor. Der Konzernumsatz kletterte zwar auf 2.434 Millionen Euro, nach 2.346 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Dieser Zuwachs war jedoch maßgeblich durch Akquisitionen wie die Übernahme von Terreal getrieben. Auf der Ergebnisseite offenbart sich hingegen die volle Schwere der aktuellen Baukrise: Das Nettoergebnis brach von 106 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 0 Millionen Euro ein.
Als Hauptgründe für diese Entwicklung nannte das Unternehmen die anhaltende Schwäche im europäischen Wohnungsneubau sowie ein hohes Kostenniveau. Die Integration neuer Unternehmensteile konnte die negativen Markteinflüsse im Kerngeschäft zwar beim Umsatz kompensieren, die Profitabilität jedoch nicht stützen. Anleger reagierten verunsichert auf die Nachricht, dass der operative Ertrag vollständig aufgezehrt wurde.
Überraschender Führungswechsel in angespannter Lage
Bereits am Montag sah sich Wienerberger mit einer weiteren Hiobsbotschaft konfrontiert. Das Unternehmen gab den sofortigen Rücktritt von CEO Heimo Scheuch bekannt. Der langjährige Konzernchef scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt aus. Der Aufsichtsrat reagierte umgehend und ernannte Gerhard Hanke, der bisher als COO für die Regionen Zentral- und Osteuropa zuständig war, zum Interim-CEO.
Das Unternehmen hat bereits eine strukturierte Suche nach einer langfristigen Nachfolge für den Vorstandsvorsitz eingeleitet. In einer Phase, in der strategische Weichenstellungen zur Bewältigung der Branchenkrise notwendig sind, kommt dieser personelle Einschnitt für viele Marktteilnehmer unerwartet.
Die Aktie notiert aktuell bei 20,76 Euro und spiegelt die angespannte Lage wider. Seit Jahresbeginn hat der Titel bereits 32 Prozent an Wert verloren.
Analysten sehen Profitabilität unter Druck
Die Reaktion der Analysten auf die jüngsten Entwicklungen fiel verhalten aus. Laut den Experten der Erste Group lagen die am Mittwoch präsentierten Zahlen unter den Markterwartungen. Insbesondere die Profitabilität im Kernsegment Gebäudehülle bereitet den Analysten Sorgen.
Parallel dazu veröffentlichte Gregor Koppensteiner von der Raiffeisen Bank International (RBI) eine neue Analyse, um die veränderten Rahmenbedingungen für den Konzern neu zu bewerten.
An der Börse hat das Papier mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen. Mit dem aktuellen Kursniveau bleibt die Aktie 38 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das noch im August des Vorjahres bei 33,26 Euro erreicht wurde.
Bereits Ende Juli zeichnete sich eine Veränderung im Aktionärskreis ab, als die Londoner Investmentgesellschaft Marathon Asset Management eine Reduzierung ihres Anteils meldete. Die Gesellschaft unterschritt dabei die Meldeschwelle von 5 Prozent und hielt zuletzt 4,97 Prozent der Stimmrechte.
Investoren blicken nun auf den 5. November. An diesem Tag plant Wienerberger die Veröffentlichung der Ergebnisse für die ersten drei Quartale 2026. Dann wird sich zeigen, ob die eingeleiteten Maßnahmen und die Interim-Führung erste Erfolge bei der Stabilisierung der Margen erzielen konnten.
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