Wienerberger steckt in einer Phase, in der sich Führungswechsel, schwache Baukonjunktur und nun auch der Rückzug eines großen institutionellen Investors überlagern.
Fidelity Management & Research Company, Teil der FMR-Gruppe, hat seine Beteiligung am Baustoffkonzern reduziert und dabei die meldepflichtige Schwelle von 4 Prozent unterschritten. Der Rückzug erfolgte binnen weniger Tage, nachdem der Investor zuvor die gleiche Schwelle noch nach oben überschritten hatte.
Schneller Auf- und Abbau der Position
Laut einer Pflichtmitteilung überschritt Fidelity die 4-Prozent-Schwelle am 2. September nach oben, nur eine Woche später, am 9. September, fiel die Beteiligung wieder darunter. Der Stimmrechtsanteil aus Aktien sank dabei auf 5,95 Prozent, die Gesamtposition inklusive Finanzinstrumenten von zuvor 6,55 Prozent auf 6,29 Prozent.
Ein derart kurzfristiger Auf- und Abbau deutet auf taktisches Trading rund um die Marke hin, weniger auf eine grundsätzliche strategische Neubewertung des Investments. Dennoch fällt der Zeitpunkt auf: Er trifft eine Aktie, die ohnehin unter erheblichem Druck steht.
Der Kurs notiert am Freitag bei 18,15 Euro und damit nur knapp über seinem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 40 Prozent an Wert verloren, allein in den vergangenen 30 Tagen ging es um 14 Prozent nach unten.
Der RSI von 29,4 signalisiert eine überverkaufte Aktie, was üblicherweise auf eine mögliche technische Gegenbewegung hindeutet – ein Umstand, der Investoren wie Fidelity bei kurzfristigen Positionsanpassungen attraktive Einstiegs- und Ausstiegsfenster bieten kann.
Ein Konzern im Umbruch
Der Investorenrückzug fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen bei Wienerberger. Vor rund einem Monat trat Heimo Scheuch nach mehr als 17 Jahren an der Spitze aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung als CEO zurück.
Gerhard Hanke, zuvor COO Zentral & Ost und stellvertretender CEO, übernahm interimistisch die Führung, während der Aufsichtsrat eine strukturierte Suche nach einem langfristigen Nachfolger eingeleitet hat. Die Aktie verlor seit dem Rücktritt rund 15,4 Prozent.
Operativ zeigen die vor rund einem Monat vorgelegten Halbjahreszahlen die Belastungen deutlich: Der Umsatz wuchs zwar um 4 Prozent auf 2.434 Millionen Euro, doch das operative EBITDA sank um 15 Prozent auf 326 Millionen Euro bei einer Marge von 13,4 Prozent.
Das Unternehmen begründet die Schwäche mit dem anhaltend schwierigen Wohnneubaumarkt und senkte die Jahresprognose für das operative EBITDA auf rund 700 Millionen Euro. Der negative Effekt aus dem schwachen Wohnungsbau gegenüber der ursprünglichen Guidance wird mit rund 100 Millionen Euro beziffert.
Zugleich treibt Wienerberger den Ausbau widerstandsfähigerer Geschäftsfelder voran. Durch die Übernahme des italienischen Fliesenherstellers Italcer und Investitionen in Dachdeckung und Infrastruktur erwirtschaftet der Konzern nach eigenen Angaben inzwischen über 60 Prozent des Umsatzes aus diesen Segmenten. Die schwedische NEWS Group, ein Anbieter nachhaltiger Abwasserlösungen, ergänzt seit April das Infrastrukturgeschäft.
Belastete Anlegerstimmung
Für Anleger bleibt die Gemengelage schwierig zu deuten. Der kurzfristige Positionswechsel eines einzelnen Großinvestors lässt sich nicht als eindeutiges Signal lesen, doch er reiht sich in eine Serie negativer Nachrichten ein, die den Kurs binnen zwölf Monaten um 36 Prozent hat einbrechen lassen.
Solange die Führungsfrage ungeklärt bleibt und die Baukonjunktur schwach ist, dürfte die Volatilität der Aktie hoch bleiben – aktuell liegt sie annualisiert bei 26 Prozent.
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