Wienerberger Aktie: EBITDA-Marge auf 16,3 Prozent gefallen

Wienerberger steigert dank Zukäufen den Umsatz, verzeichnet jedoch einen deutlichen Margenrückgang. Der Wohnungsneubau bleibt schwach, der Jahresausblick wurde gesenkt.

Auf einen Blick:
  • Umsatzplus durch zwei Übernahmen
  • Operative Marge deutlich gesunken
  • Schwacher Wohnungsneubau belastet
  • Jahresprognose nach unten korrigiert

Wienerberger hat sein Kerngeschäft im Wohnungsneubau schrumpfen sehen – und gleichzeitig zwei Übernahmen abgeschlossen, die den Konzern in andere Richtungen verschieben. Der Baustoffkonzern hat die Keramikziegel- und Oberflächenspezialistin Italcer sowie die auf Wasser- und Abwasserlösungen spezialisierte NEWS Group übernommen. Beide Transaktionen wurden im zweiten Quartal finalisiert und trugen maßgeblich zum Umsatzwachstum bei.

Zukäufe stützen Umsatz, Marge bricht ein

Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Sieben Prozentpunkte davon kamen aus organischem Wachstum, sechs Prozentpunkte gingen auf die Akquisitionen zurück. Das operative Ergebnis konnte mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt halten: Das operative EBITDA fiel von 253 Millionen auf 230 Millionen Euro, die Marge sackte von 20,3 auf 16,3 Prozent ab.

Für das erste Halbjahr insgesamt zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Erlöse legten um 4 Prozent auf 2,434 Milliarden Euro zu, während das operative EBITDA um 15 Prozent auf 326 Millionen Euro sank. Besonders deutlich fiel der Einbruch beim EBIT aus, das um 70 Prozent auf nur noch 60 Millionen Euro zurückging. Zukäufe bringen also Umsatz, aber vorerst keine Profitabilität – ein Muster, das sich durch das gesamte Zahlenwerk zieht.

Wohnungsneubau bleibt schwacher Punkt

Die Ursache für den Margendruck liegt im klassischen Kerngeschäft. Der Wohnungsneubau bleibt vor allem in Nordamerika und Großbritannien schwach, und das Management rechnet damit, dass sich diese Verhaltenheit auch in den kommenden Quartalen fortsetzt. Entsprechend hat Wienerberger den Jahresausblick 2026 gesenkt.

Strategisch reagiert der Konzern darauf mit einer Verschiebung des Geschäftsmixes: Infrastruktur- und Renovierungsgeschäft machen inzwischen über 60 Prozent des Konzernumsatzes aus. Die neu erworbenen Sparten Wasser- und Abwassertechnik sowie Keramikoberflächen passen in dieses Muster – sie sollen die Abhängigkeit vom zyklischen Neubaugeschäft verringern.

Guidance und Schuldenabbau als Prüfstein

Für das Gesamtjahr peilt das Management ein operatives EBITDA von 700 Millionen Euro an. Kostensenkungen und Effizienzmaßnahmen sollen die Belastungen aus dem schwachen Neubaugeschäft abfedern. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA wird für Ende 2026 bei 2,8 erwartet, mittelfristig strebt der Konzern einen Wert von 2,0 an, bis Ende 2027 sollen es 2,4 sein.

Für die zweite Jahreshälfte setzt das Management auf Preiserhöhungen und höhere Einsparungen aus dem laufenden Fit-for-Growth-Programm. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Margenerosion zu stoppen, dürfte sich erst in den kommenden Quartalsberichten zeigen – die Zukäufe allein werden das strukturelle Problem im Neubaugeschäft nicht lösen.

Der noch amtierende Interims-Vorstand um Gerhard Hanke, der seit dem gesundheitsbedingten Rücktritt von Heimo Scheuch vor rund zwei Wochen die Konzernführung übernommen hat, muss damit gleich mehrere Baustellen parallel bearbeiten: die Integration der neuen Geschäftsbereiche, den Spagat zwischen Wachstum und Profitabilität sowie den angepeilten Schuldenabbau.

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