Wienerberger kommt nicht aus der Krise. Nach dem überraschenden Rücktritt von Konzernchef Heimo Scheuch aus gesundheitlichen Gründen am 10. August und schwachen Halbjahreszahlen kaufen mehrere Führungskräfte in diesen Wochen eigene Aktien – ein Signal, das Anleger als Vertrauensbeweis lesen könnten, während der Kurs weiter unter Druck steht.
Führungswechsel an der Spitze
Scheuch trat aus gesundheitlichen Gründen zurück, Gerhard Hanke übernahm interimistisch die Position des Vorstandsvorsitzenden. Der Wechsel kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Nur zwei Tage später musste das Management die Halbjahreszahlen präsentieren, die den Ergebnisdruck im Kerngeschäft offenlegten.
Hanke selbst zeigte sich von der eigenen Aktie überzeugt und meldete am 13. August einen Kauf von Wienerberger-Papieren. Am 20. August zog Aufsichtsratsmitglied Peter Steiner nach und erwarb ebenfalls Aktien – eine Transaktion, die das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung veröffentlichte.
Schwaches Halbjahr, gekürzte Guidance
Die Zahlen zum zweiten Quartal, vorgelegt am 12. August, zeigten ein zwiespältiges Bild: Der Umsatz legte zu, das Ergebnis brach jedoch deutlich ein. Im anschließenden Earnings Call bestätigte das Management die bereits Mitte Juli gesenkte Jahresprognose von rund 700 Millionen Euro operativem EBITDA.
Mittelfristig hält der Konzern an seinem Ziel von 1 Milliarde Euro EBITDA fest, sofern sich die Kapazitätsauslastung normalisiert – eine Formulierung, die zeigt, wie stark die aktuelle Schwäche mit der schwachen Baukonjunktur zusammenhängt.
Für Anleger bedeutet das: Die Kürzung der Guidance ist bereits eingepreist, doch der Weg zurück zur Milliarden-Marke bleibt an Bedingungen geknüpft, die das Unternehmen selbst nicht vollständig kontrolliert.
Kursreaktion und Bewertung durch Analysten
Der Aktienkurs notiert aktuell bei 19,75 Euro und gibt am heutigen Donnerstag um 1,7 Prozent nach. Damit bewegt sich das Papier nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 19,00 Euro und liegt satte 37 Prozent unter dem Jahreshoch von Anfang Januar. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 35 Prozent – ein Kursverlauf, der die operativen Probleme des Konzerns eins zu eins widerspiegelt.
Die Analysten von Oddo BHF senkten am 17. August ihr Kursziel für Wienerberger und beließen die Einstufung bei Neutral – eine Reaktion, die zeitlich unmittelbar auf die enttäuschenden Halbjahreszahlen folgte.
Was die Insiderkäufe bedeuten
Dass gleich zwei Führungskräfte binnen weniger Tage zu eigenen Käufen griffen, fällt in eine Phase maximaler Verunsicherung: neuer Interims-CEO, gekürzte Prognose, Kurs nahe Jahrestief. Insiderkäufe gelten grundsätzlich als Vertrauenssignal, doch sie ändern nichts an der fundamentalen Ausgangslage.
Die Baustoffbranche leidet weiterhin unter schwacher Nachfrage, und solange sich die Kapazitätsauslastung nicht normalisiert, bleibt das mittelfristige Milliarden-Ziel für das EBITDA eine Zielmarke ohne festen Zeitpunkt. Anleger dürften vorerst genau beobachten, ob der neue Interimschef Hanke operative Stabilität signalisieren kann, bevor sich das Vertrauen der Insider auch im Kurs widerspiegelt.
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