Der US-Fondsriese Fidelity Management & Research Company hat seine Beteiligung an Wienerberger weiter ausgebaut. Laut einer Stimmrechtsmitteilung überschritt FMR LLC die 4-Prozent-Schwelle nach oben und hielt zum 31. August 6,55 Prozent an dem Baustoffkonzern – 6,29 Prozent über Aktien, weitere 0,25 Prozent über Instrumente.
Der Zukauf fällt in eine Phase, in der Wienerberger von mehreren Seiten unter Druck steht. Vor gut einer Woche verlor das Unternehmen mit Heimo Scheuch überraschend seinen langjährigen Vorstandschef, der nach mehr als 17 Jahren aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung zurücktrat. Gerhard Hanke, bislang COO für Central & East und Deputy CEO, führt die Geschäfte seither interimistisch. Die Aktie hat seither um 2,8 Prozent nachgegeben.
Schwache Halbjahreszahlen als Hintergrund
Auch die Geschäftszahlen aus dem ersten Halbjahr liefern wenig Grund zum Aufatmen. Der Umsatz stieg zwar um vier Prozent auf 2.434 Millionen Euro, doch das operative EBITDA brach um 15 Prozent auf 326 Millionen Euro ein.
Noch deutlicher fiel der Rückgang beim EBIT aus: Es sackte um 70 Prozent auf 60 Millionen Euro ab. Unterm Strich blieb für das erste Halbjahr praktisch kein Nettogewinn übrig – nach 106 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum steht nun eine Null, der Gewinn je Aktie liegt bei nur noch 0,01 Euro.
Parallel dazu trieb Wienerberger seine Expansionsstrategie voran: Im zweiten Quartal wurden die Übernahmen der italienischen Italcer Group, einem Anbieter von Keramikfliesen und -oberflächen, sowie der NEWS Group im Bereich Wassermanagement abgeschlossen.
Für das Gesamtjahr 2026 gibt das Unternehmen eine EBITDA-Guidance von 700 Millionen Euro aus, während die Verschuldung im Verhältnis zum EBITDA zum Jahresende bei 2,8 gesehen wird – mit dem erklärten Ziel, diesen Wert bis Ende 2027 auf 2,4 und mittelfristig auf 2,0 zu drücken.
Aktie nahe Jahrestief, doch mit Erholungsversuch
Diese Gemengelage aus Führungswechsel, eingebrochenem Gewinn und laufender Integration zweier Zukäufe hat der Aktie zugesetzt. Wienerberger notiert derzeit bei 19,25 Euro und damit nur wenige Prozentpunkte über dem 52-Wochen-Tief von 18,47 Euro, das erst am 3. September markiert wurde. Am Freitag legte das Papier immerhin um 2,2 Prozent zu – ein erster kleiner Erholungsversuch nach den schwachen Wochen zuvor.
Dass ein Großinvestor wie Fidelity in dieser Phase seine Position aufstockt statt sie abzubauen, lässt sich als Signal lesen: Trotz der operativen Schwäche im ersten Halbjahr und der Führungsunsicherheit an der Spitze scheint der Fonds das langfristige Potenzial des Baustoffkonzerns höher zu gewichten als die kurzfristigen Risiken.
Für Anleger bleibt die Situation ambivalent – die fundamentalen Kennzahlen sind schwach, die Kapitalmarktreaktion eines institutionellen Schwergewichts spricht jedoch eine andere Sprache.
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