Wienerberger steckt in einer schwierigen Phase: Der Ziegel- und Baustoffkonzern kämpft mit schwacher Nachfrage im Wohnungsneubau, während gleich zwei Führungskräfte in den vergangenen Wochen mit Aktienkäufen ein Vertrauenssignal setzten.
Vorstandsmitglied Gerhard Hanke, der seit dem Rücktritt von Heimo Scheuch vor rund zwei Wochen interimistisch den Vorstandsvorsitz führt, griff am 13. August selbst zu Wienerberger-Aktien. Am 20. August folgte Aufsichtsratsmitglied Peter Steiner mit einem eigenen Kauf.
Solche Insider-Käufe fallen in eine Zeit, in der die Aktie unter Druck steht. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 32,48 Euro Ende August 2025 hat das Papier rund 40 Prozent eingebüßt und pendelt nun nahe seinem 52-Wochen-Tief von 19,00 Euro.
Der Schlusskurs von 19,49 Euro am Montag liegt nur noch 2,6 Prozent über dieser Marke, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 36 Prozent zu Buche. Ein RSI von 32,1 deutet auf eine bereits überverkaufte Situation hin.
Schwacher Neubau belastet die Marge
Die Geschäftszahlen liefern den Hintergrund für die gedrückte Stimmung. Für das zweite Quartal 2026 meldete Wienerberger einen Umsatzanstieg um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, das organische Wachstum von 7 Prozent wurde durch Zukäufe von weiteren 6 Prozentpunkten ergänzt.
Trotz des Umsatzplus sank der operative Quartals-EBITDA auf 230 Millionen Euro. Als Gründe nannte das Unternehmen eine schwächer als erwartete Wohnungsneubauaktivität, insbesondere in Nordamerika und Großbritannien, sowie eine höhere Kosteninflation im Umfeld geopolitischer Spannungen.
Für das erste Halbjahr insgesamt weist Wienerberger einen Umsatz von 2,434 Milliarden Euro und ein operatives EBITDA von 326 Millionen Euro aus. Das EBIT lag bei lediglich 60 Millionen Euro. Deutlich schwerer wiegt der freie Cashflow, der mit minus 203 Millionen Euro tief in den roten Zahlen steckt – bei gleichzeitig ausgezahlten Dividenden von 104 Millionen Euro.
Diese Kombination aus negativem Cashflow und laufenden Ausschüttungen dürfte Anleger aufmerksam beobachten, zumal sich der Konzern in einem konjunkturell schwierigen Umfeld für seine Kernmärkte behaupten muss.
Immerhin bestätigte das Unternehmen trotz der schwachen Quartalsprofitabilität seine Jahresprognose für das operative EBITDA von 700 Millionen Euro. Stützend wirkt dabei die strukturelle Verschiebung im Geschäft: Infrastruktur- und Renovierungsaktivitäten machen inzwischen mehr als 60 Prozent des Konzernumsatzes aus und federn damit die Schwäche im Neubau zumindest teilweise ab.
Analysten bleiben zurückhaltend
Oddo BHF senkte am 17. August das Kursziel für Wienerberger und beließ die Einstufung auf Neutral – die bislang jüngste bekannte Analystenreaktion auf die Geschäftsentwicklung. Weitere aktuelle Einschätzungen liegen nicht vor.
Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Auf der einen Seite signalisieren die Käufe von Hanke und Steiner Zuversicht aus dem Führungskreis selbst in einer Phase des Umbruchs an der Vorstandsspitze.
Auf der anderen Seite zeigen die Zahlen zu Cashflow und operativer Marge, dass die Erholung im Neubaugeschäft noch auf sich warten lässt. Die bestätigte Jahresguidance von 700 Millionen Euro EBITDA markiert damit die entscheidende Messlatte für die zweite Jahreshälfte.
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