Nach einem turbulenten Monat für den Baustoffkonzern Wienerberger senden interne Signale eine erste vorsichtige Entspannung an den Markt. Während das Unternehmen mit einem plötzlichen Wechsel an der Spitze und erheblichen Belastungen aus einem Rechtsstreit in den USA kämpft, nutzt die Führungsebene das gedrückte Kursniveau für Zukäufe. Seit Jahresanfang verzeichnete die Aktie eine drastische Korrektur von 37 Prozent und nähert sich damit historischen Tiefstständen.
Insiderkauf nach Erreichen der Jahrestiefs
Ein Mitglied des Aufsichtsrats hat die jüngsten Kursverluste für eine Aufstockung seiner Position genutzt. Wie aus einer Pflichtmitteilung hervorgeht, erwarb Peter Steiner am vergangenen Donnerstag 2.000 Aktien des Unternehmens. Der Kauf erfolgte über den Handelsplatz XETRA zu einem Durchschnittspreis von 19,24 Euro.
Die Transaktion findet in einem Marktumfeld statt, in dem die Bewertung der Wienerberger-Papiere massiv unter Druck geraten ist. Am vergangenen Freitag schloss das Papier bei 19,29 Euro. Damit notiert der Titel nur noch rund 1,5 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 19,00 Euro, das erst in der vergangenen Woche erreicht wurde.
Der Zukauf durch den Aufsichtsrat wird am Markt oft als Vertrauensbeweis in die langfristige Strategie gewertet, insbesondere da das Unternehmen derzeit einen tiefgreifenden personellen Umbruch vollzieht.
Management-Wechsel und operative Belastungen
Die personelle Unruhe begann am 10. August, als der langjährige CEO Heimo Scheuch sein Amt aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung niederlegte. Der Aufsichtsrat reagierte umgehend und ernannte Gerhard Hanke, den bisherigen COO für das Segment Zentral- und Osteuropa, zum Interim-CEO. Während die Suche nach einer dauerhaften Nachfolge bereits eingeleitet wurde, muss Hanke den Konzern durch ein schwieriges Fahrwasser steuern.
Operativ präsentierte Wienerberger am 12. August ein gemischtes Bild für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026. Zwar stieg der Konzernumsatz im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, was vor allem auf die Integration der zugekauften Unternehmen Italcer und NEWS Group zurückzuführen ist. Das operative EBITDA sank jedoch im gleichen Zeitraum auf 230 Millionen Euro.
Als Hauptgrund für diesen Rückgang und die operative Marge von 16,3 Prozent nannte das Unternehmen die anhaltende Flaute im Neubausegment, die insbesondere die Kernmärkte in Nordamerika und Großbritannien belastet.
Rechtsstreit in den USA drückt Halbjahresergebnis
Zusätzlich zu den marktbedingten Herausforderungen wurde das Ergebnis durch eine außerordentliche Belastung aus den USA geschwächt. Die Tochtergesellschaft Pipelife Jet Stream Inc. schloss einen Vergleich zur Beilegung von drei Kartellrechts-Sammelklagen ab. Die daraus resultierenden Kosten belaufen sich auf etwa 47 Millionen Euro (52 Millionen USD).
Diese Einmalzahlung hatte drastische Auswirkungen auf die Bilanz des ersten Halbjahres: Das Nettoergebnis des Konzerns sank auf 0 Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 106 Millionen Euro erzielt worden war. Trotz dieser Belastung bestätigte der Vorstand am 12. August die bereits im Juli gesenkte Prognose für das Gesamtjahr. Wienerberger erwartet für 2026 weiterhin ein operatives EBITDA von rund 700 Millionen Euro.
Analysten reagierten auf die Halbjahreszahlen und die aktuellen Unsicherheiten mit Anpassungen ihrer Modelle. Medienberichten zufolge sank das durchschnittliche Kursziel im Konsens um 17 Prozent auf 23,73 Euro. Dennoch wurden die Gewinnprognosen für das kommende Jahr leicht angehoben, was auf eine erwartete Stabilisierung hindeutet.
Anleger werden die kommenden Wochen genau beobachten, wenn das Management am 2. September an einer Corporate Conference in Frankfurt und am 9. September an einer Fachkonferenz in Paris teilnimmt, um die Strategie unter der neuen Interimsführung zu erläutern.
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