Die Aktie von Wienerberger erlebt am heutigen Mittwoch einen schwierigen Handelstag und markiert eine Fortsetzung der seit Monaten anhaltenden Kursschwäche.
Während das Unternehmen operativ mit neuen Partnerschaften zur Dekarbonisierung in Großbritannien gegensteuert, haben Leerverkäufer den Wert verstärkt ins Visier genommen. Der Titel gehört zur Wochenmitte zu den am stärksten gehandelten Werten an der Wiener Börse, findet jedoch am Markt derzeit keinen stabilen Boden.
Spekulanten setzen auf fallende Kurse
Medienberichten zufolge geriet die Wienerberger-Aktie heute durch gezielte Leerverkäufe unter Druck. Die Spekulanten nutzen offenbar die angespannte Stimmung im österreichischen Leitindex ATX, um ihre Positionen auszubauen.
Mit einem Handelsvolumen von 421.497 Aktien verzeichnete der Baustoffhersteller am heutigen Mittwoch das größte Volumen im ATX Prime. Marktbeobachter werten die hohe mediale Präsenz des Titels in Kombination mit der schwachen Branchenstimmung als Signal für die Leerverkäufer.
Dieser Verkaufsdruck trifft auf ein bereits geschwächtes Marktumfeld. Der Wiener Leitindex verlor am Nachmittag deutlich an Boden, belastet durch die Erwartung einer Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank am morgigen Donnerstag sowie einen steigenden Ölpreis, der erstmals seit Juli wieder die Marke von 100 US-Dollar pro Fass überschritt. In diesem Umfeld notiert die Wienerberger-Aktie aktuell bei 18,79 €, womit sie sich nur noch knapp über dem 52-Wochen-Tief von 18,47 € behauptet.
Strategische Kooperation für den Standort England
Abseits des turbulenten Börsengeschehens treibt Wienerberger seine langfristige Strategie zur Dekarbonisierung voran. Das Unternehmen hat einen Liefervertrag für Wasserstoff geschlossen, der speziell auf den Standort Denton in England zugeschnitten ist.
Die rechtliche Beratung bei diesem Abkommen übernahm die Kanzlei Eversheds Sutherland. Die Vereinbarung sieht vor, bestehende Anlagen am Standort durch ein Retrofit-Verfahren für den Einsatz von Wasserstoff umzurüsten.
Unterstützt wird das Vorhaben durch die britische Regierung. Als Lieferant fungiert ein Joint Venture zwischen Schroders Greencoat und Carlton Power. Dieser Schritt ist Teil der Bemühungen von Wienerberger, die CO2-Intensität der Produktion massiv zu senken und sich unabhängiger von fossilen Energieträgern zu machen.
Während solche Projekte langfristig das Profil des Unternehmens als nachhaltiger Branchenakteur schärfen, rücken sie angesichts der aktuellen Marktdynamik kurzfristig in den Hintergrund.
Anhaltende Skepsis nach Führungswechsel
Die aktuelle Kursentwicklung setzt einen negativen Trend fort, der sich bereits vor rund einem Monat nach dem Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden und der Vorlage der Halbjahreszahlen abgezeichnet hatte. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits 38 % an Wert verloren. Die Unsicherheit über die künftige strategische Ausrichtung unter neuer Führung belastet das Vertrauen der Anleger weiterhin.
Obwohl die fundamentale Bewertung durch die Kursverluste der letzten Monate optisch gesunken ist, bleibt das Chartbild angespannt. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das Anfang Januar bei über 31 € markiert wurde, verdeutlicht die Schwere der Korrektur.
Analysten beobachten zudem die Schwäche bei anderen Schwergewichten im ATX wie der BAWAG oder der Erste Group, die am heutigen Handelstag ebenfalls Kursverluste hinnehmen mussten und damit die negative Tendenz des Gesamtmarktes verstärkten.
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