Western Digital geriet gestern im Sog des Ausverkaufs bei Speicher- und Festplattenwerten unter Druck. Die Tagesveränderung betrug -7,1%. Medienberichten zufolge belasteten Sorgen über wachsende Konkurrenz durch Toshiba den Festplattensektor. Gleichzeitig senkten Analysten ihre Kursziele. Ihre Einschätzungen unterscheiden sich allerdings deutlich darin, welche Chancen der Rückschlag vor den Quartalszahlen eröffnet.
Branchendruck trifft auf unterschiedliche Bewertungen
Die Schwäche beschränkte sich nicht auf Western Digital. Auch Seagate stand unter Druck. Der breitere Rückzug aus Speicherwerten spricht dafür, die Bewegung zunächst als Branchenreaktion einzuordnen — nicht als Folge einer einzelnen operativen Meldung von Western Digital.
Wells Fargo senkte gestern das Kursziel für Western Digital von 730 $ auf 450 $. Die Einstufung „Übergewichten“ behielt das Haus bei. Nach Einschätzung der Analysten hat die jüngste Schwäche der Festplattenaktien vor den Ergebnissen des Septemberquartals ein interessantes Verhältnis von Chancen und Risiken geschaffen.
Damit verbindet Wells Fargo zwei unterschiedliche Signale: Das niedrigere Kursziel reduziert den erwarteten Bewertungsspielraum gegenüber der bisherigen Einschätzung. Die unveränderte Empfehlung zeigt zugleich, dass das Haus aus dem Rückgang keine grundsätzlich negative Anlageeinschätzung ableitet.
UBS reduzierte am Dienstag das Kursziel von 525 $ auf 470 $ und hielt an der neutralen Einstufung fest. Als Begründung nannte das Haus Unsicherheiten über die Angebotskapazitäten bei Festplatten und die künftige Preisentwicklung.
Der Unterschied liegt damit weniger in der Richtung der Kurszieländerungen als in deren Interpretation. Während Wells Fargo die vorangegangene Schwäche als mögliche Chance betrachtet, stellt UBS die Unsicherheit über Angebot und Preise in den Vordergrund.
Wechsel im Finanzressort
Hinzu kommt eine personelle Veränderung. Medienberichten zufolge verlässt Finanz- und Strategiechef Mark Long Western Digital, um Finanzchef von Super Micro Computer zu werden.
Diese Nachricht steht neben den Branchensorgen. Die gestrige Kursschwäche wurde in den Berichten jedoch mit dem Druck auf den Festplattensektor verbunden, nicht mit Longs Wechsel.
Quartalsbericht als nächster Prüfstein
Western Digital plant, am 22. Oktober nach Börsenschluss die Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorzulegen.
Für die Einordnung werden insbesondere mögliche Aussagen zu Kapazitäten und Preisen wichtig sein: Genau dort setzt die vorsichtige Einschätzung von UBS an. Die Zahlen bieten zugleich den nächsten Prüfstein für die optimistischere Chancen-Risiko-Abwägung von Wells Fargo. Niedrigere Kursziele bedeuten hier also keinen einheitlichen Blick auf die Aktie.
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