Western Digital sieht trotz der Sorgen um den KI-Ausbau keine Anzeichen einer nachlassenden Speichernachfrage. Das Unternehmen erklärte gestern, Gespräche mit großen Cloud-Kunden reichten bis 2030/2031. Selbst eine Abkühlung könnte nach Einschätzung des Managements helfen, den bestehenden Angebotsrückstand aufzuholen. Für Anleger steht damit die Frage im Mittelpunkt, wie lange Nachfrage und Preissetzungsmacht das Wachstum tragen.
Kunden planen weit voraus
Finanzchef Kris Sennesael hatte am Donnerstag erklärt, die großen Cloud-Anbieter zeigten keine Anzeichen nachlassender Investitionen. Die langfristigen Gespräche sprechen aus Unternehmenssicht gegen die These eines unmittelbar bevorstehenden Nachfrageeinbruchs. Sie sind allerdings nicht mit bereits vertraglich gesicherten Umsätzen gleichzusetzen.
Besonders wichtig ist diese Einschätzung wegen der Kundenstruktur: Das Cloud-Geschäft stellte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 insgesamt 88 % des Umsatzes. Die Entwicklung der großen Abnehmer hat damit erhebliches Gewicht für Western Digital.
Die Aussage zum Angebotsrückstand setzt einen anderen Akzent als die verbreitete Sorge vor einer KI-Abkühlung. Das Management beschreibt die aktuelle Herausforderung nicht als fehlende Nachfrage, sondern als Schwierigkeit, den Bedarf vollständig zu bedienen. Eine Entspannung könnte deshalb zunächst den Lieferengpass verringern.
Höhere Preise verstärken das Wachstum
Der Quartalsumsatz erreichte 4,381 Mrd. US-Dollar und stieg gegenüber dem Vorjahr um 55 %. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 4,64 US-Dollar. Beide Kennzahlen übertrafen die Erwartungen.
Das Wachstum beruhte nicht allein auf höheren Auslieferungen. Western Digital erzielte zugleich höhere Preise für die gelieferte Speicherkapazität. Für Anleger ist diese Kombination entscheidend: Sie erklärt, weshalb der Ergebnisanstieg deutlich stärker ausfiel als das Umsatzwachstum.
Der Preis je Terabyte erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 28 %, die ausgelieferte Kapazität um 22 %. Der Finanzchef erwartet für die nächsten drei bis vier Quartale weiteren Spielraum für Preissteigerungen je Terabyte.
Diese Erwartung ist ein zentraler Vorbehalt der Wachstumsgeschichte. Weitere Preissteigerungen sind noch keine realisierten Erlöse. Der Ausblick zeigt aber, dass Western Digital kurzfristig nicht mit einem Ende der günstigen Preisentwicklung rechnet.
Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt das Unternehmen einen Umsatz von 5,0–5,2 Mrd. US-Dollar in Aussicht. Diese Prognose liegt über den Analystenerwartungen.
Auch bei der Profitabilität erwartet Western Digital weitere Fortschritte. Damit setzt der Konzern nicht nur auf zusätzliches Geschäft, sondern auf eine weiterhin hohe Ertragskraft.
Die Prognose sieht eine bereinigte Bruttomarge von 60–61 % und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 5,60–6,00 US-Dollar vor.
Kapazitätsausbau bleibt der Gegenposten
Die hohe Nachfrage verlangt zusätzliche Investitionen. Western Digital will diese auf höhere Speicherdichte und Automatisierung ausrichten, statt vorrangig die Zahl produzierter Laufwerke auszuweiten. Damit soll der Ausbau technologisch getragen werden.
Im Auftaktquartal investierte das Unternehmen 227 Mio. US-Dollar. Der freie Cashflow erreichte dennoch 1,377 Mrd. US-Dollar. Die Quartalsdividende steigt um 17 %.
Der Mittelzufluss schafft Spielraum für Ausschüttungen und technische Weiterentwicklung. Höhere Investitionen belasten zugleich den Anteil des Umsatzes, der als freier Cashflow verbleibt.
Über fünf Jahre sollen die Investitionen 4–6 % des Umsatzes betragen. In den nächsten zwei Jahren erwartet Western Digital eine etwas höhere Quote.
Die Börse ließ sich von der Zuversicht zunächst nicht überzeugen: Gestern verlor die Aktie -2,7%. Entscheidend für die weitere Einordnung ist deshalb nicht allein die langfristige Nachfrageplanung. Western Digital muss die erwarteten Preissteigerungen und Margen auch bei höheren Investitionen in tatsächliche Mittelzuflüsse übersetzen.
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