Western Digital Aktie: Festplatten bis Ende 2026 ausverkauft

Symbolbild, KI-generiert

Starke Quartalszahlen und ein positiver Margenausblick stützen Western Digital; die anhaltende Cashflow-Stärke muss sich noch bewähren.

Auf einen Blick:
  • KI-Speichernachfrage soll jährlich 25 Prozent wachsen
  • Erstes Quartal übertraf die Erwartungen
  • Umsatzprognose für das zweite Quartal angehoben
  • Rosenblatt und TD Cowen senkten Kursziele

Western Digitals operative Stärke verdient mehr Vertrauen als die jüngsten Kursverluste vermuten lassen. Eine Entwarnung für die Aktie ist sie trotzdem nicht.

Für mich entscheidet sich die Investmentgeschichte jetzt weniger an immer höheren Gewinnprognosen als an einer anderen Frage: Wie dauerhaft lässt sich die starke KI-Speichernachfrage in frei verfügbares Geld verwandeln? Die Aussagen von Konzernchef Irving Tan stimmen zuversichtlich. Sie sind aber noch kein Beweis für die Belastbarkeit des gesamten Investitionszyklus.

Nachfrage ist nicht das Hauptproblem

Tan sagte CNBC, die Nachfrage nach KI-Speicher werde in den nächsten fünf Jahren jährlich etwa 25% wachsen. Das ist eine ausgesprochen optimistische Erwartung. Sie spricht gegen die These, Western Digital stehe bereits vor einem unmittelbaren Nachfrageeinbruch.

Seine Erklärung für die Nervosität an den Märkten ist deshalb wichtig. Tan verwies auf Sorgen über die Rendite von KI-Investitionen, die Finanzlage von Neoclouds und die Zinsentwicklung. Er führte die Bedenken nicht auf schwache Nachfrage zurück. Diese Unterscheidung halte ich für zentral: Ein gut gefülltes Auftragsbuch und ein finanziell gesunder Kundenkreis sind nicht dasselbe.

Medienberichten zufolge ist Western Digitals Festplattenkapazität bis Ende 2026 nahezu ausverkauft. Die Bestellungen der sieben größten Kunden für dieses Jahr seien bereits gebucht.

Das gibt dem Unternehmen kurzfristig eine gute Grundlage. Es widerlegt aber nicht automatisch die längerfristigen Bedenken des Marktes. Auch eine starke Nachfrageprognose beantwortet noch nicht, wie wirtschaftlich die Kunden ihre Infrastruktur betreiben können. Wer Tans Zuversicht als vollständige Entwarnung liest, greift aus meiner Sicht zu kurz.

Die Margen müssen den Optimismus tragen

Die Geschäftszahlen liefern allerdings handfeste Argumente gegen übermäßigen Pessimismus. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Western Digital einen Umsatz von 4,38 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 4,64 US-Dollar.

Beide Kennzahlen übertrafen die Erwartungen. Entscheidend ist daran nicht allein die positive Überraschung. Das Unternehmen muss seine Zuversicht nicht nur mit langfristigen Marktprognosen begründen, sondern kann auf bereits erzielte Ergebnisse verweisen.

Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt Western Digital einen Umsatz von 5,0–5,2 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Die Prognose deutet damit auf eine weitere Geschäftsausweitung hin.

Noch wichtiger erscheint mir die erwartete Profitabilität. Wachstum schafft für Aktionäre vor allem dann Wert, wenn davon nach Investitionen ausreichend Geld übrig bleibt. Genau an diesem Punkt wird die optimistische Einschätzung überprüfbar.

Der bereinigte Gewinn je Aktie soll im kommenden Quartal 5,60–6,00 US-Dollar erreichen. Dem steht eine Analystenerwartung von 4,80 US-Dollar gegenüber.

Das ist ein deutlicher Abstand und kein bloßes Übertreffen um wenige Cent. Zugleich bleibt es eine Prognose. Die Börse muss diese Aussicht nicht bereits vollständig honorieren, bevor Western Digital sie eingelöst hat.

Die Bruttomarge soll im laufenden Quartal auf 60–61% steigen, nach 58,1%. Außerdem erwartet das Management auf absehbare Zeit eine Free-Cashflow-Marge von über 30%.

Für mich ist diese Cashflow-Aussage der stärkste Teil der optimistischen Argumentation. Sie verspricht nicht nur steigende Erlöse, sondern erheblichen finanziellen Spielraum. Damit liefert das Management zugleich einen anspruchsvollen Maßstab für die nächsten Ergebnisse.

Niedrigere Kursziele sind kein Gegenbeweis

Die heute gemeldeten Analystenreaktionen zeigen, dass Zuversicht und vorsichtigere Bewertung nebeneinander bestehen können. Rosenblatt senkte das Kursziel von 800 auf 650 US-Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung. TD Cowen reduzierte sein Ziel auf 430 US-Dollar und blieb ebenfalls bei einer Kaufempfehlung.

Diese Kombination ist aufschlussreicher als die bloße Zahl der positiven Einstufungen. Die Häuser halten an ihrer grundsätzlich positiven Sicht fest, setzen den erwarteten Kurs aber niedriger an. Gute Ergebnisse allein rechtfertigen offenbar nicht jede zuvor formulierte Bewertungserwartung.

Unterm Strich überwiegen für mich die operativen Argumente gegen eine pauschale Krisenthese. Nachfrage, Gewinnprognose und Margenausblick sprechen dafür. Für eine uneingeschränkt optimistische Bewertung reichen sie dennoch nicht: Western Digital muss zeigen, dass die versprochene Cashflow-Stärke anhält. Nicht die nächste große KI-Prognose, sondern deren verlässliche Umsetzung dürfte das überzeugendere Argument für die Aktie sein.

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