Vier Kurszielanhebungen innerhalb weniger Tage, dazu eine Warnung aus Südkorea vor der schlimmsten Speicherchip-Knappheit aller Zeiten. Für Western Digital verdichten sich damit gerade zwei Erzählstränge zu einer Geschichte: Die AI-Infrastruktur frisst mehr Speicherplatz, als die Industrie liefern kann. Am Freitag schloss die Aktie bei 509,80 Euro, ein Plus von 0,75 Prozent auf Tagesbasis und 1,96 Prozent auf Wochensicht.
Wells Fargo sieht Kursziel bei 730 Dollar
Wells-Fargo-Analyst Aaron Rakers hob sein Kursziel für Western Digital von 575 auf 730 Dollar an. Die Einstufung „Overweight“ bleibt bestehen. Rakers bleibt nach eigenen Worten „positiv für Festplatten“ vor den Quartalszahlen im Juni und schraubt seine Schätzungen für den Konzern nach oben.
Parallel stufte er auch den Konkurrenten Seagate höher ein. Als Begründung nennt er den jüngsten Marktrückgang und wachsendes Vertrauen in einen Pfad zu einem Gewinn je Aktie von über 50 Dollar für die gesamte Festplatten-Branche. Hinzu komme eine erhebliche Kapazität für Kapitalrückführungen an Aktionäre.
Wells Fargo reiht sich damit in eine Serie ähnlich aggressiver Anhebungen ein. Cantor Fitzgerald, BofA, Goldman Sachs und Susquehanna zogen in den vergangenen Wochen nach. Die Erwartungen der Wall Street verschieben sich gerade schneller, als mancher Analyst seine Modelle aktualisieren kann.
SK Hynix warnt vor Engpass bis über 2030 hinaus
Die neue Zuversicht bei Western Digital trifft auf deutliche Warnsignale aus der Speicherchip-Industrie. SK-Hynix-Chef Kwak Noh-jung erklärte, die globale Speicherbranche steuere 2027 auf ihren bisher schwersten Angebotsengpass zu. Die Nachfrage werde die Produktionskapazitäten des Unternehmens noch weit in die kommende Dekade hinein übersteigen.
„Wir rechnen damit, dass das kommende Jahr aus Angebotssicht das schlimmste in der Geschichte der Branche wird“, sagte Kwak gegenüber Reuters. Es war sein erstes englischsprachiges Interview überhaupt – und es folgte kurz nach einem rekordträchtigen US-Aktienangebot des südkoreanischen Konzerns am selben Freitag. Kunden würden inzwischen langfristige Verträge unterschreiben, weil sie von einer länger anhaltenden Knappheit ausgehen, so Kwak weiter.
Andere Branchenmanager schlagen in dieselbe Kerbe. Nvidia-Chef Jensen Huang sprach bereits im Vormonat von einer mehrjährigen Knappheit bei AI-Speicherchips. Die Bank UBS wiederum rechnet erst ab dem zweiten Quartal 2028 mit einem ausgeglichenen DRAM-Markt.
UltraSMR als zweiter Wachstumshebel
Neben der Preisdynamik verweist Wells Fargo auf operative Fortschritte im Unternehmen selbst. Western Digital baut sein Platforms-Geschäft für Großkunden aus Cloud und Enterprise-Bereich aus. Gleichzeitig gewinnt die UltraSMR-Technologie an Verbreitung: Drei der größten Kunden nutzen sie bereits, bis Ende 2027 sollen laut Management alle wichtigen Abnehmer die Technologie qualifiziert haben.
Analysten werten diesen Technologie-Rollout als möglichen zweiten Wachstumstreiber. Setzt sich die Neubewertung der Festplattenhersteller am Markt fort, könnte die UltraSMR-Einführung Western Digital zusätzlichen Spielraum nach oben verschaffen. Wells Fargo nennt aber auch ein Risiko: Verzögert sich die Einführung oder gibt der Preis nach, könnten die Margen trotz wachsender AI-Datenmengen unter Druck geraten.
Wo die Aktie aktuell steht
Der Kursverlauf in diesem Jahr ist außergewöhnlich. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 218,19 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar ein Anstieg von 816,58 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 696,30 Euro, erreicht am 18. Juni, ist die Aktie derzeit noch 26,78 Prozent entfernt – notiert aber 5,64 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 482,57 Euro.
Der 14-Tage-RSI liegt bei neutralen 49,7 Punkten. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität übersteigt dagegen 105 Prozent. Das Bild passt zu einer Aktie, die ihren parabolischen Anstieg gerade verdaut, statt einen neuen Ausbruch zu bestätigen.
Die kommenden Quartalszahlen dürften zeigen, ob sich die Knappheits-Erzählung der Speicherbranche in harten Umsatz- und Margenzahlen niederschlägt. Weitere Kommentare von Wettbewerbern wie SK Hynix oder Seagate könnten das Bild in den nächsten Wochen zusätzlich schärfen.
Western Digital-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Western Digital-Analyse vom 12. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Western Digital-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Western Digital-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 12. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
