Ein Anruf von der Wall Street reicht manchmal aus, um eine ganze Aktie neu zu bewerten. Bei Western Digital waren es gleich mehrere: Cantor Fitzgerald, BofA Securities und Melius Research heben ihre Kursziele am Montag drastisch an. Die Aktie reagiert prompt und springt um 4,44 Prozent auf 522,20 Euro.
Der Sprung folgt auf einen Schlusskurs von 500,00 Euro am Freitag. Damit bleibt Western Digital zwar noch 25 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 696,30 Euro aus dem Juni. Die Jahresperformance von plus 225,93 Prozent zeigt aber, wie stark der Titel seit Januar gelaufen ist.
Kursziele schießen nach oben
Cantor Fitzgerald erhöht sein Kursziel von 660 auf 900 Dollar. BofA Securities zieht von 610 auf 732 Dollar nach und bestätigt die Kaufempfehlung. Noch aggressiver positioniert sich Melius Research: Die Analysten starten die Coverage direkt mit „Buy“ und einem Kursziel von 1.050 Dollar.
Die Begründung ist bei allen drei Häusern ähnlich. Western Digital gehört zu den Hauptprofiteuren des KI-Infrastruktur-Booms. Speicherkapazität wird zum Engpassfaktor – und das Unternehmen sitzt mitten im Zentrum dieser Nachfragewelle.
Speicherpreise vor kräftigem Anstieg
Die Kaufsignale kommen nicht isoliert. UBS hat parallel seine Preisprognosen für DDR-Speicher nach oben korrigiert. Für das dritte Quartal 2026 erwarten die Analysten einen Anstieg der Vertragspreise um 32 Prozent gegenüber dem Vorquartal, im vierten Quartal soll ein weiterer Sprung von 18 Prozent folgen.
Sowohl Nomura als auch UBS gehen davon aus, dass der Speichermarkt mindestens bis zum zweiten Quartal 2028 unterversorgt bleibt. Der Grund liegt vor allem in den KI-Rechenzentren. Sie sollen 2026 rund 70 Prozent der globalen Speicherproduktion verschlingen.
Die Zahlen hinter der Rally
Die jüngsten Geschäftszahlen stützen die Euphorie. Im dritten Quartal des Fiskaljahres 2026 erzielte Western Digital einen Umsatz von 3,34 Milliarden Dollar – ein Plus von 45 Prozent zum Vorjahr. Die bereinigte Bruttomarge lag bei 50,5 Prozent, der freie Cashflow bei 978 Millionen Dollar.
Für das laufende vierte Quartal rechnet das Management mit rund 3,65 Milliarden Dollar Umsatz und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 3,25 Dollar. Bei Festplattenlaufwerken bleibt die Angebotslücke laut Unternehmen bei 10 bis 15 Prozent der Nachfrage. Neue Kapazitäten sollen dadurch Grenzmargen von 70 bis 75 Prozent abwerfen.
Sektorweite Erholung
Western Digital steht nicht allein da. Auch Micron und SanDisk legen am Montag zu, nachdem Citigroup und JPMorgan positive Kommentare zum Speichersektor veröffentlicht haben. Bank of America betont zudem, dass jüngste Sorgen – etwa um Metas Compute-Leasing oder neue Anbieter in der Lieferkette – das grundlegende Angebotsdefizit nicht verändert haben.
Der Kontext dafür ist gewaltig: Die weltweiten Investitionen in Cloud- und KI-Infrastruktur sollen bis 2027 auf 1,5 Billionen Dollar steigen. Speicherkomponenten machen davon schätzungsweise 35 bis 40 Prozent aus.
Technisch bewegt sich die Aktie derzeit rund 11 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 471,66 Euro und mehr als das Doppelte über der 200-Tage-Linie. Der RSI von 50,4 signalisiert dabei weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand – trotz der jüngsten Kursschwankungen bleibt also Spielraum in beide Richtungen.
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