Zwei strategische Partnerwechsel, ein Fabrikschluss und ein Kurs, der binnen zwölf Monaten um mehr als 1.300 Prozent gestiegen ist: Die Wasserstoff-Branche liefert in dieser Woche so viele Strukturbrüche wie selten zuvor. Während Bloom Energy sich endgültig als KI-Infrastruktur-Profiteur positioniert, kämpfen Nel ASA, HydrogenPro und PowerCell Sweden weiterhin um die Nachfrage, die grüner Wasserstoff bislang schuldig bleibt.
Bloom Energy: KI-Deals katapultieren den Kurs in neue Sphären
Bloom Energy hat sich faktisch vom Rest des Wasserstoffsektors abgekoppelt. Die Rallye von über 214 Prozent seit Jahresbeginn fußt auf einer simplen, aber mächtigen Gleichung: KI-Rechenzentren brauchen Strom, und Bloom liefert ihn — mit Festoxid-Brennstoffzellen direkt am Standort, ohne Netzengpässe.
Die Größenordnung der jüngsten Verträge spricht für sich. Oracle hat die Partnerschaft ausgeweitet und will bis zu 2,8 Gigawatt an Bloom-Systemen abnehmen, wovon 1,2 GW bereits vertraglich fixiert sind. Parallel investiert Brookfield bis zu fünf Milliarden Dollar in die weltweite Bereitstellung von Blooms Technologie für KI-Rechenzentren.
Die Q1-Zahlen untermauern den Trend: Beim Umsatz von 751 Millionen Dollar lag das Produktgeschäft um 208 Prozent über Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 0,44 Dollar schlug die Konsensschätzung um ein Vielfaches. Das Management hob die Jahresprognose auf 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar an — ein Sprung von rund 80 Prozent gegenüber 2025.
Barclays-Analystin Christine Cho reagierte mit einer Kurszielanhebung von 177 auf 254 Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Equal Weight“. Der durchschnittliche Analystenkonsens liegt bei rund 237 Dollar — deutlich unter dem jüngsten Intraday-Hoch von knapp 293 Dollar. Die Bewertung von etwa 86 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung preist bereits eine nahezu perfekte Umsetzung ein. Das zentrale Risiko: Bloom will die Fertigungskapazität bis Jahresende von einem auf zwei Gigawatt verdoppeln und investiert dafür rund 100 Millionen Dollar. Jede Verzögerung in diesem Ramp-up könnte die ambitionierte Bewertung auf die Probe stellen.
Ballard Power: Weichai zieht sich vom Vorstandstisch zurück
Für Ballard Power war diese Woche ein Governance-Umbruch. Am 13. Mai traten die beiden von Weichai nominierten Direktoren Michael Chen und Huajie Wang zurück — nachdem Weichai rund 6,9 Millionen Ballard-Aktien verkauft und seinen Anteil unter die 15-Prozent-Schwelle gedrückt hatte, die Vorstandsnominierungen ermöglicht. Weichai hält nun noch gut 13 Prozent.
Der Markt reagierte überraschend positiv. Am Tag der Bekanntgabe legte die Aktie um knapp acht Prozent zu. Die Lesart: Weniger chinesischer Einfluss könnte Ballard strategisch agiler machen, etwa bei westlichen Förderprogrammen oder Partnerschaften mit NATO-nahen Kunden. Das Joint Venture mit Weichai besteht aber weiter.
Operativ bewegt sich Ballard in die richtige Richtung. Der Q1-Umsatz stieg um 26 Prozent gegenüber Vorjahr, die Bruttomarge war das dritte Quartal in Folge positiv, und die Nettoverluste schmolzen dank niedrigerer Betriebskosten. Mit über 500 Millionen Dollar Barreserven bei minimalem Fremdkapital hat das Unternehmen reichlich Puffer.
Die Analysten bewegen sich mit. National Bank Financial hob das Kursziel von 3,15 auf 4,75 Dollar, TD Cowen von 2,50 auf 4,25 Dollar. Der Konsens aus sieben Häusern lautet „Hold“. In Frankfurt schloss die Aktie am Freitag bei 3,78 Euro — ein Plus von über 46 Prozent auf Monatssicht und gut 207 Prozent im Zwölfmonatsvergleich.
Entscheidend wird, ob neue Aufträge — darunter der Wrightbus-Deal für das FCmove-SC-System — sich zügig in Umsatz wandeln. Das Management erwartet ein umsatzstarkes zweites Halbjahr.
Nel ASA: Neue Elektrolyseur-Plattform als Hoffnungsträger
Nel bleibt ein Unternehmen im Wartezustand. Die Q1-Zahlen fielen erwartungsgemäß dünn aus: 148 Millionen NOK Umsatz, ein negatives EBITDA von minus 100 Millionen NOK, Auftragseingang bei lediglich 85 Millionen NOK. Der Auftragsbestand von 1,1 Milliarden NOK gibt zwar eine gewisse Grundlage, für ein Unternehmen dieser Größe fehlt aber weiterhin der entscheidende Volumenkatalysator.
Strategisch setzt Nel alles auf eine Karte: die neue Druck-Alkali-Plattform, die nach acht Jahren Entwicklungszeit im Mai am Standort Herøya kommerziell gestartet wurde. Das Management betont deutlich niedrigere Investitionskosten pro Megawatt gegenüber herkömmlichen Alkali- oder PEM-Systemen — dazu bessere Ausbeuten und kürzere Zykluszeiten. Bis Ende 2026 sollen 500 Megawatt Produktionskapazität stehen.
An der Börse hat sich die Stimmung zuletzt aufgehellt. Die Aktie notiert bei 0,30 Euro, ein Anstieg von fast 42 Prozent auf Monatssicht. Vom Zwölfmonatstief bei 0,18 Euro hat sich der Kurs deutlich gelöst. Das Analysten-Konsenskursziel von 2,21 NOK liegt allerdings nahe am aktuellen Niveau — ein Zeichen, dass der Markt erst konkrete Großaufträge sehen will, bevor er weiteres Aufwärtspotenzial einpreist.
HydrogenPro: Fabrikschluss in China, Neustart mit Longi
HydrogenPro vollzieht den radikalsten strategischen Schwenk unter den fünf Titeln. Das Unternehmen schließt seine 500-MW-Fabrik im chinesischen Tianjin — eine Anlage, die erst im vergangenen November vollständig übernommen wurde — und verlagert die Produktion zum chinesischen Partner Longi im Rahmen eines neuen OEM-Abkommens.
Die Logik dahinter: Longi bietet größere und stärker automatisierte Fertigungskapazitäten. HydrogenPro behält die eigene Technologie und produziert Elektroden weiterhin in Dänemark. Systeme für den europäischen Markt werden beim EPC-Partner Andritz in Deutschland montiert.
Der Schritt kommt nicht aus einer Position der Stärke. HydrogenPro hat eine strategische Überprüfung eingeleitet, um alternative Finanzierungsoptionen zu bewerten, und einen externen Finanzberater mandatiert. Projektlaufzeiten ziehen sich, die Liquiditätslage ist angespannt.
Gleichzeitig betont das Management, in fortgeschrittenen Verhandlungen über ein Projektcluster von rund einer Milliarde NOK zu stehen — verteilt auf einen rollierenden Zwölfmonatshorizont. Q1 brachte Fortschritte bei Meilensteinprojekten und eine verbesserte Bruttomarge. Die Marktkapitalisierung lag zuletzt bei rund 264 Millionen NOK — ein Bruchteil der angestrebten Pipeline.
Ob der Longi-Pivot tatsächlich eine tragfähige Kostenstruktur ermöglicht, hängt maßgeblich vom Ergebnis der strategischen Überprüfung ab.
PowerCell Sweden: Margendisziplin statt Volumenwachstum
PowerCell verfolgt einen konservativen Kurs — und nimmt dafür bewusst ein schwächeres Q1 in Kauf. Der Quartalsumsatz lag bei 46,95 Millionen SEK, der Nettoverlust bei knapp 40 Millionen SEK. Ursache: geringere Lizenz- und Royalty-Einnahmen, die in Vorperioden das Ergebnis gestützt hatten.
Die Bruttomarge verbesserte sich trotzdem, ein Nacheffekt des früheren Bosch-Deals. 2025 hatte PowerCell erstmals ein positives Ganzjahres-EBITDA erreicht, bei organischem Wachstum von 24 Prozent. Der operative Cashflow lag nur knapp im negativen Bereich.
Das Geschäftsmodell stützt sich auf zwei Säulen:
- Marine: Mit rund 80 bis 85 Prozent Segmentanteil der Anker des Unternehmens, aber mit langen Lieferzyklen
- Stromerzeugung: Kürzere Auftragszyklen, wachsende Nachfrage, noch geringes Volumen
Das Management deutet für das zweite Halbjahr ein beschleunigtes Umsatzwachstum an. Der Analystenkonsens liegt bei einem Kursziel von 33 SEK — rund 26 Prozent über dem letzten Schlusskurs. In Frankfurt notiert die Aktie bei 2,42 Euro, nach einem Rückgang von gut fünf Prozent am Freitag. Seit Jahresbeginn liegt PowerCell als einziger der fünf Titel im Minus.
Drei Geschichten, ein Sektor — die Kluft wächst
Die fünf Aktien erzählen gerade drei grundverschiedene Geschichten gleichzeitig:
- Bloom Energy profitiert vom explosiven KI-Strombedarf und operiert in einer eigenen Bewertungsliga — weit entfernt von den Sorgen des klassischen Wasserstoffsektors
- Ballard Power und Nel ASA stehen an operativen Wendepunkten: Ballard mit neuem Governance-Freiraum und steigenden Margen, Nel mit einem Technologie-Launch, der sich erst in Aufträgen beweisen muss
- HydrogenPro und PowerCell Sweden kämpfen mit der Realität eines Marktes, in dem finale Investitionsentscheidungen für Großprojekte auf sich warten lassen — und in dem chinesische Wettbewerber den Preisdruck erhöhen
Asymmetrische Chancen, steigende Divergenz
Die kommenden Monate dürften die Schere im Sektor weiter öffnen. Für Bloom dreht sich alles um den Kapazitätsausbau auf zwei Gigawatt — jede Produktionsverzögerung wiegt bei der aktuellen Bewertung schwer. Ballards neuer Vorstand muss zeigen, dass die Unabhängigkeit von Weichai tatsächlich strategische Freiräume schafft. Nels Druck-Alkali-Plattform ist der wichtigste Technologie-Event im Elektrolyseur-Segment — und zugleich ein Vertrauenstest, denn konkrete Großaufträge stehen noch aus. HydrogenPros strategische Überprüfung entscheidet über die finanzielle Überlebensfähigkeit. Und PowerCell setzt darauf, dass Marine und Stromerzeugung im zweiten Halbjahr die versprochene Umsatzbeschleunigung liefern.
Eines verbindet alle fünf Titel: Die Geduld der Investoren wird auf verschiedene Arten geprüft — bei Bloom durch die Bewertung, beim Rest durch die fehlende Nachfrage.
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