Weibo hat im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Analysten übertroffen — und trotzdem sinkt der Gewinn deutlich. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel um 3,29 Prozent zu. Der Blick auf die Zahlen zeigt, warum die Reaktion moderat ausfiel, statt euphorisch.
Der Umsatz kletterte auf 453,8 Millionen Dollar, ein Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und über der Konsensschätzung von 442,44 Millionen Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,38 Dollar und übertraf damit die erwartete Marke von 0,36 Dollar. Auf den ersten Blick ein solides Quartal, wie CEO Gaofei Wang es selbst nannte.
Werbegeschäft schwächelt, Zusatzdienste retten die Bilanz
Das Kerngeschäft mit Werbung und Marketing ging um 1 Prozent auf 381,0 Millionen Dollar zurück. Ursache waren schwächere Ausgaben aus dem Handy- und Online-Spiele-Sektor, die durch Zuwächse bei Internetdiensten und Automobilherstellern nur teilweise ausgeglichen wurden. Werbeeinnahmen von Alibaba stiegen dagegen um 10 Prozent auf 39,2 Millionen Dollar, getrieben von der KI-Anwendungswerbung des Handelsriesen.
Deutlich lebendiger zeigte sich der Bereich Value-Added-Services. Er wuchs um 19 Prozent auf 72,9 Millionen Dollar, angetrieben von einmaligen Ticketerlösen aus Offline-Veranstaltungen und einem soliden Zuwachs bei Mitgliedschaftsdiensten.
Kosten steigen schneller als der Umsatz
Der eigentliche Knackpunkt liegt in der Kostenstruktur. Die Gesamtkosten kletterten um 12 Prozent auf 335,0 Millionen Dollar, hauptsächlich wegen höherer Produktionskosten für Werbung und gestiegener Marketingausgaben. In der Folge sackte die operative Non-GAAP-Marge von 36 auf 28 Prozent ab.
Der Nettogewinn nach Non-GAAP-Rechnung fiel entsprechend von 143,2 auf 102,7 Millionen Dollar. Nutzerseitig bleibt Weibo stabil: Im Juni 2026 zählte die Plattform 561 Millionen monatlich aktive Nutzer und 254 Millionen tägliche Nutzer im Durchschnitt. Die Barreserven inklusive kurzfristiger Anlagen summierten sich zum 30. Juni auf 2,64 Milliarden Dollar.
Für die kommenden Quartale bleibt die Frage im Raum, ob die KI-Integration in Werbeprodukte die schwächelnde Nachfrage aus dem Handy- und Gaming-Sektor kompensieren kann. Der Konferenzcall am heutigen Mittwoch dürfte weitere Details zur Strategie liefern.
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