Liebe Leserin, Lieber Leser,
vor einigen Jahren noch galten Wasserstoff-Autos als erstrebenswerte Alternative zu Elektroautos. Dank schneller Tankvorgänge sollte das Reichweitenproblem behoben werden. Doch nach etlichen Neuentwicklungen, immer höheren Reichweiten und zuletzt Aufladezeiten von nur wenigen Minuten bei BYD scheinen die Vorteile sich zu weiten Teilen aufgelöst zu haben. Daher stellen Kritiker auch die Frage, warum für Autos überhaupt noch der Umweg über Wasserstoff gegangen werden sollte.
Der japanische Autobauer Toyota hält an der Technologie dennoch fest und findet im Rennsport auch ein paar schlagkräftige Argumente. Mit dem TR LH2 testet der Konzern nun einen flüssigwasserstoffbetriebenen Wasserstoff-Rennwagen in Le Mans. Jener setzt nicht auf Brennstoffzellen, sondern eine Direktverbrennung von Wasserstoff. Das Versprechen lautet, dass dadurch die typischen Motorengeräusche erhalten bleiben. Gleichzeitig sollen Emissionen gesenkt werden, was aber natürlich auch davon abhängen wird, ob grüner Wasserstoff verwendet wird.
Toyota: Allein auf weiter Flur
Auf die Probe stellen darf das neue Gefährt der dreifache Le-Mans-Gewinner Kazuki Nakajima. Allerdings wird daraus eher nicht direkt eine neue Rennklasse entstehen. Denn dafür fehlt es schon allein an der Konkurrenz. Der Toyota TR LH2 ist momentan eine Einzelerscheinung, und dabei dürfte es noch eine ganze Weile lang bleiben. Daher wird das Thema an der Börse auch weiterhin ignoriert. Dort sorgen Ölpreise und Nachfragesorgen dafür, dass bei Toyota eher nicht von einer glorreichen Zukunft geträumt wird.
Toyota Aktie Chart
Bei einem breiteren Blick ist Toyota allerdings nicht ganz alleine. Auf Wasserstoff setzen auch andere Hersteller, wenn auch bevorzugt in Form von Brennstoffzellenfahrzeugen. Solche nutzen im Kern einen klassischen Elektromotor, der allerdings durch den Einsatz von Wasserstoff betrieben wird. Das langatmige Aufladen entfällt, stattdessen ist eine Betankung in wenigen Minuten möglich, so denn eine Tankstelle in der Nähe ist.
Hyundai lässt nicht locker
Weiterhin verfolgt wird Wasserstoff etwa in Südkorea bei Hyundai. Im Januar bekräftigte Entwicklungsvorstand Manfred Harrer in einem Interview mit „Auto Motor und Sport“, dass Wasserstoff sowohl für Pkw als auch Nutzfahrzeuge ein wichtiges Thema sei und spezifische Lösungen geliefert werden sollen. Zudem könne Wasserstoff nicht nur bei Antriebstechnik, sondern auch zu Herstellung von Stahl sowie bei Zügen eingesetzt werden, wo Hyundai ebenfalls aktiv sei.
Geändert hat sich an dieser Einstellung bisher nichts. Bei Hyundai und anderen wird zwar die bisherige Elektro-Strategie zuweilen etwas infrage gestellt. In Sachen Wasserstoff ändert sich hingegen nichts. Das mag aber auch daran liegen, dass hier deutlich weniger investiert wird. Gearbeitet wird nur an einzelnen Modellen, deren Auflagen sich bisher in sehr engen Grenzen halten. Wenn man so will, ist es schlicht ein Nebenprojekt.
BMW in den Startlöchern
Auch bei BMW ist Wasserstoff weiterhin eher ein Kuriosum. Doch an den Plänen, im Jahr 2028 in die Serienproduktion zu gehen, hält man weiterhin fest. Dafür gibt es viel Kritik, wogegen sich Entwicklungsvorstand Joachim Prost aber des Öfteren wehrte. Seiner Ansicht nach sei mehr als eine Technologie nötig, um den Verkehr zu dekarbonisieren. Zudem sorge Wasserstoff dafür, unabhängiger von bestimmten Rohstoffen und Wertschöpfungsketten zu sein. Das ist nicht falsch, trifft allerdings im Falle von Strom ebenfalls zu. Ob und in welchem Umfang Wasserstoff in Sachen Mobilität noch eine Zukunft beschert sein mag, das steht noch immer ein wenig in den Sternen. Dass das Thema aber noch immer von namhaften Konzernen verfolgt wird, dürfte manchem Anleger aber als Hoffnungsschimmer dienen.
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