Liebe Leserin, Lieber Leser,
die Partystimmung im Wasserstoffsegment scheint zu Beginn der neuen Woche wieder etwas nachzulassen. Das zeigt sich bei den Aktienkursen, die es zum Teil deutlich in den roten Bereich zieht, wenn auch ohne die Kursgewinne der letzten Wochen gleich nichtig zu machen. Ein wenig plagt die Marktakteure aber schon die Sorge davor, dass es mit der Rallye vielleicht etwas zu weit ging und so werden erst einmal Gewinne mitgenommen.
Nüchtern betrachtet hat Wasserstoff sein Potenzial aber noch lange nicht ausgeschöpft. Gearbeitet wird nach wie vor an kaum mehr als der Grundlage dafür, dass der alternative und in seiner grünen Form emissionsfreie Kraftstoff eines Tages in größeren Mengen verfügbar sein wird. Hierzulande ist ein wichtiger Baustein dafür das Wasserstoff-Kernnetz.
TotalEnergies schlägt zu
Im März startete der Reservierungsprozess für das Wasserstoff-Kernnetz und es dauerte nicht lange, bis sich dafür erste Interessenten anmeldeten. Bisher gefehlt hatte es aber noch an großen Namen, die auch an der Börse den einen oder anderen Kopf drehen könnten. Das wurde nun nachgeholt, wie bei „H2 News“ zu lesen ist. Der französische Energiekonzern TotalEnergies reservierte bei Ontras im großen Stil Kapazitäten.
Vorgesehen ist eine Ausspeisung von bis zu 500 MWh Wasserstoff stündlich ab dem Jahr 2030. Ob jene dann auch tatsächlich in Anspruch genommen werden, sei dahingestellt. Zumindest besteht Interesse, was für etwas mehr Planungssicherheit sorgt. An der Börse allerdings spielen für TotalEnergies höhere Ölpreise noch immer eine gewichtigere Rolle. Jene ließen die Aktie am Montag bis zum Mittag um 2,1 Prozent auf 75,91 Euro ansteigen.
ITM Power bastelt an der Zukunft
Bei ITM Power ging es hingegen zur selben Zeit um 6,8 Prozent auf 2,14 Euro abwärts, was sich mit Gewinnmitnahmen und technischen Effekten nach der Aufnahme in den MSCI United Kingdom Small Cap Index erklären lässt. Gebraucht wird das Unternehmen in Zukunft aber allemal, wenn aus Wasserstoff-Träumereien Realität werden soll. Gearbeitet wird unter Hochdruck daran, die Effizienz zu erhöhen und Kosten zu senken.
Viel dürfte dabei von einer finalen Investitionsentscheidung für das Chronos-Programm abhängen, welche schon bald erwartet wird. Die neue Generation von Elektrolyseuren soll die Flächenanforderungen halbieren und die Kapitalkosten um 40 Prozent reduzieren. Außerdem soll je Einheit die dreifache Leistung erbracht werden. Das klingt nach einer guten Voraussetzung, um ein Wasserstoff-Kernnetz zu befüllen.
Nel ASA bleibt hoffnungsvoll
Auch bei Nel ASA steht seit einer Weile Technologie im Vordergrund. Eine neue Generation von Elektrolyseuren elektrisierte die Anleger sogar so weit, dass schwache Auftragseingänge in den Hintergrund traten. Der Aktienkurs hat sich zuletzt in fast schon vergessen geglaubte Kursregionen hinaufgeschwungen und hält sich dort recht stabil. Daran ändern Verluste von knapp fünf Prozent am Montagmorgen nur erstaunlich wenig.
Zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels waren noch 0,34 Euro auf dem Ticker zu bewundern; rund zwei Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Solange die Hoffnung auf neue Durchbrüche mit frischer Technologie lebendig bleibt und solange die Börsen in Wasserstoff vermehrt eine echte Zukunftschance sehen, dürften die Bullen am Ball bleiben. Wie es letztlich um ihre Geduld bestellt sein mag, wenn es mal eine Weile lang keine sensationellen Neuigkeiten geben mag, das ist aber nochmal ein anderes Thema. In der Vergangenheit ging es in solchen Phasen leider schnell bergab.
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