Liebe Leserin, Lieber Leser,
die Luft scheint aus der Wasserstoff-Rallye schon wieder raus zu sein. Sensationelle Neuigkeiten gab es zuletzt nicht mehr zu sehen und dass die Strompreise in der vergangenen Woche etwas nachgaben und damit auch grünen Wasserstoff verbilligten, lockt die Bullen noch nicht hinter dem Ofen hervor. An mehreren Stellen werden Gewinne mitgenommen und die Kurse zeigen sich zum Teil deutlich leichter.
Zum Stillstand ist es im Segment aber noch lange nicht gekommen. Nahezu täglich lassen sich Fortschritte feststellen, wenn auch nicht immer im ganz großen Stil. Einen bedeutenden Schritt nach vorne wagt nun immerhin Salzgitter. Der Stahlhersteller sichert sich bei EWE jährlich rund 10.000 Tonnen an Wasserstoff, der aus einer in Entstehung befindlichen Anlage im ostfriesischen Emden stammen soll. Die Belieferung soll im Jahr 2030 beginnen und zunächst für sieben Jahre erfolgen.
Zukunftsmusik bei Salzgitter
Salzgitter treibt damit seine Pläne voran, die Stahlproduktion in Zukunft emissionsfrei werden zu lassen. Ob das auch funktionieren wird und ob sich daraus noch weitere Wasserstoff-Aufträge ergeben mögen, bleibt für den Moment offen. Immerhin gibt es nun aber laut Salzgitter selbst den ersten Großabnehmervertrag, was für den Durchbruch von Wasserstoff als enorm wichtig angesehen wird. Die Anleger scheinen darüber weniger begeistert zu sein. Die Salzgitter-Aktie gab bis zum Mittag um 3,6 Prozent auf 59,92 Euro nach.
Salzgitter AG Aktie Chart
Zumindest momentan sieht das Ganze für Salzgitter auch wenig vorteilhaft aus. Das Unternehmen muss mutmaßlich viel Geld für den Wasserstoff in die Hand nehmen, mehr als es bei fossilen Brennstoffen trotz der Preissprünge der letzten Monate der Fall wäre. Eben deshalb fordert der Stahlkonzern auch weiter Unterstützung durch die Politik ein und versteht das eigene Bemühen auch ein Stück weit als Appell. Es ist nicht so, als hätte die Bundesregierung sich gar nicht beteiligt. 925 Millionen Euro fließen in die Grünstahlproduktion von Salzgitter und 267 Millionen Euro in die Wasserstoffanlage in Emden. Doch es dürfte nach den Wünschen der Industrie gerne noch etwas mehr sein. Notwenig seien wettbewerbsfähige Strompreise, praktikable Regeln für grünen Wasserstoff und langfristige Investitionssicherheit, so EWE-Chef Stefan Dohler.
ITM Power im Abverkauf
Staatliche Unterstützung war auch einer der zentralen Faktoren dafür, dass die ITM Power-Aktie sich in höhere Kursregionen emporschwingen konnte. Doch das Märchen erhielt kürzlich einige unschöne Risse. Dafür gesorgt hatte die US-Bank Goldman Sachs. Deren Analysten sind wenig beeindruckt und halten die ITM Power-Aktie weiterhin für überbewertet. Es blieb bei einer Verkaufsempfehlung und das Kursziel landete nach minimaler Erhöhung bei 63 Pence. Umgerechnet entspricht dies 0,73 Euro.
Die Reaktion an der Börse fiel heftig aus. In den letzten fünf Tagen polterte die ITM Power-Aktie um knappe 30 Prozent bis auf 1,59 Euro am Dienstagmorgen in die Tiefe. Zwar lässt sich darüber streiten, ob der Pessimismus berechtigt sein mag. Doch angesichts fehlender Neuigkeiten scheinen viele Anleger kein Risiko eingehen zu wollen.
Etwas besser läuft es momentan für die Ballard Power-Aktie, die am Montag um 4,9 Prozent zulegen konnte und heute vorbörslich ebenfalls im grünen Bereich landet. Auch hier gab es zuvor jedoch einen scharfen Rücksetzer zu sehen. Das hat auch mit dem Rückzug von Weichai Power zu tun, was ein Stück weit Zeugnis einer stärkeren Konzentration auf westliche Gefilde ist. Ob sich darin Chancen oder doch eher Risiken verbergen mögen, darüber gehen die Meinungen auseinander.
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