Liebe Leserin, Lieber Leser,
noch bis vor Kurzem schien bei Wasserstoff-Aktien endlich der Knoten geplatzt zu sein. Zahlreiche neue Projekte, mehr Aktivität seitens der Politik und ein wenig KI-Fantasie brachten die Aktienkurse endlich wieder in die Höhe. Im Falle von Nel ASA war es auch frische Technologie, welche die Bullen aus der Deckung lockte. Eine neue Elektrolyseur-Generation soll die Investitionskosten beträchtlich senken. Bislang warten die Anleger aber noch vergeblich auf gute Neuigkeiten in Form von Auftragseingängen.
Stattdessen überraschte Nel nun mit der Mitteilung darüber, sich von CEO Håkon Volldal zu trennen. Jener sucht sein Glück künftig bei Elopak, wohin er spätestens Anfang nächstes Jahr zu wechseln gedenkt. Immerhin bleibt er somit noch eine Weile im Amt und es kann nach einem Nachfolger gesucht werden. Was genau zum Abschied geführt haben mag, darüber lässt sich nur spekulieren.
Nel ASA: Die Verunsicherung ist groß
Streit scheint es nicht gegeben zu haben und auch an Volldals Überzeugung in Sachen Wasserstoff hat sich nichts geändert. In einer Erklärung sagte der Manager, dass Nel weiterhin an der Spitze der Branche stehe und er selbst ein überzeugter Befürworter von grünem Wasserstoff bleibe. Warum es ihn dann zu einem Verpackungskonzern treibt, bleibt sein Geheimnis.
Es muss nicht zwingend bedeuten, dass bei Nel etwas im Argen liegen würde. Dennoch werden die Zukunftsaussichten nun noch nebulöser und auch den letzten Käufern scheint der Geduldsfaden zu reißen. Die negative Kursentwicklung nimmt an Tempo auf und für die Nel ASA-Aktie ging es heute Morgen um 7,2 Prozent auf 0,22 Euro abwärts. Ein weiterer Tag in diesem Stiel und es müsste erneut um die Marke bei 0,20 Euro gekämpft werden.
Nel ASA Aktie Chart
Air Liquide ist gefragt
Mehr Freude und vor allem interessantere Zukunftsaussichten bietet ein neuer Wasserstoffmotor in Spanien, der auf den klangvollen Namen Wärtsilä 31H2 hört. Dabei soll es sich laut Hersteller um den bisher größten Wasserstoffmotor der Welt handeln, wie „Telepolis“ berichtet. Seine volle Leistungsfähigkeit soll das gute Stück in nur zwei Minuten erreichen. Geplant ist, mittelfristig mehrere solcher Motoren zusammenzuschalten und damit Kraftwerke zu errichten, die in einer Dunkelflaute zum Einsatz kommen.
Den Wasserstoff liefert Air Liquide und bei einem Einsatz im großen Stil könnten sich hier interessante Chancen bieten. Das Ganze hat aber ein Kostenproblem. Rechnerisch belaufen sich die Kosten auf 470 Euro je Megawattstunde. In einem klassischen Gaskraftwerk sind es eher 50 bis 100 Euro. Hier wird erneut offensichtlich, welche Herausforderungen bei Wasserstoff noch zu bewältigen sind. In der Folge hält sich die Begeisterung zumindest an der Börse in Grenzen.
Plug Power rennt die Zeit davon
Manch einer mag meinen, dass es vielen in Sachen Wasserstoff-Aktien an Geduld mangelt. Im Falle von Plug Power ist das allerdings auch nachvollziehbar. Denn der US-Konzern steuert auf eine veritable Finanzierungslücke zu, sollte bis Monatsende nicht der Verkauf von Anlagegütern an Stream Data Centers dingfest gemacht werden könnten. Bis zu 142 Millionen US-Dollar sollen auf diesem Wege fließen. Das kann Plug Power auch dringend gebrauchen. Denn allen Versprechen zu steigenden Gewinnen zum trotz verbrennt man aktuell noch munter Geld. Da der Deal noch immer scheitern kann, werden die Anleger mit jedem Tag nervöser. Die Aktie fiel in den letzten fünf Tagen um 12,2 Prozent auf 2,80 US-Dollar per Handelsschluss am Montag zurück.
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