Liebe Leserin, Lieber Leser,
Wasserstoff galt als als Heilsbringer für die Mobilitätswende und einige Firmen wie BMW oder Hyundai erkennen dort noch immer große Chancen. Nicht dazu passen will allerdings, dass die Infrastruktur in Deutschland sich im letzten Jahr auf dem Schrumpfkurs befand. Insgesamt wurden 36 öffentliche Wasserstoff-Tankstellen geschlossen, wie die Initiative H2-Infrastruktur beklagt. Einige davon wurden wohl von der EU gefördert. Mit einer Petition soll nun dagegen vorgegangen werden, dass entsprechende Standorte einfach eingestampft werden.
Tatsächlich fällt der Rückgang dramatisch aus. Per Ende 2024 gab es noch etwas mehr als 100 Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland. Im vergangenen Jahr hat sich deren Anzahl also mal eben um ein Drittel verringert. Das klingt nicht gerade nach Durchbruch und Wachstumsambitionen, sondern viel mehr nach Rückzug und Resignation. Doch gilt es, bei der Entwicklung etwas zu differenzieren.
Linde plc denkt um
Hauptverantwortlich für den Rückbau in Deutschland ist das Unternehmen H2 Mobility, an dem wiederum der Industriegas-Gigant Linde plc beteiligt ist. Bei dem Vorgehen handelt es sich nicht um einen reinen Schrumpfkurs. Vielmehr hat sich der Fokus verändert. Es wird für die Zukunft nicht länger auf ein flächendeckendes Netz an Tankstellen für Wasserstoff-Pkw gesetzt, von denen nur eine Handvoll auf deutschen Straßen unterwegs ist. Stattdessen konzentrieren sich H2 Mobility und Linde plc verstärkt auf Betankungsmöglichkeiten für das Schwerlastsegment. Dort werden schlicht größere Chancen dafür erkannt, eines Tages tatsächlich Gewinne zu erzielen.
Linde Aktie Chart
Der Ansatz ist eher pragmatisch und wenig von Ideologie geprägt. Es ist nur nachvollziehbar, dass dies manch einem sauer aufstößt. Es ist auch einigermaßen fragwürdig, dass öffentlich geförderte Projekte nach nur wenigen Jahren schon wieder das Zeitliche segnen. Doch aus rein ökonomischer Sicht machen die Betreiber nichts falsch. Was sich nicht rechnet und auch keine Aussicht auf Besserung bieten kann, wird letztlich abgeschrieben. Angepasst wird die Strategie nach enttäuschen Hoffnungen aus den letzten Jahren auch längst nicht nur bei H2 Mobility und Linde plc.
Cavendish Hydrogen: Fokus!
Das Schwerlast-Segment steht auch bei der ehemaligen Nel-Tochter Cavendish Hydrogen klar im Fokus. Es bildet mittlerweile so ziemlich das alleinige Standbein des Konzerns, und man konzentriert sich auf Märkte, in denen besonders gute Zukunftschancen erkannt werden. In schwierigen Zeiten gibt es auch da schon mal einen Rückzieher. Im September des vergangenen Jahres kündigte das Unternehmen an, sich vollständig aus Südkorea zurückziehen zu wollen.
Nun soll das Geschäft in Europa und Nordamerika umso mehr vorangetrieben werden, und das auch mit einigen ersten Erfolgen. In Kalifornien und Kanada konnten im letzten Jahr gut 40 Prozent mehr Wasserstoff als im Vorjahr abgegeben werden, was einem neuen Rekord entspricht. Aus der Verlustzone kam das Unternehmen dennoch nicht heraus und die Aktie bleibt schwer angeschlagen.
Kassensturz
Wasserstoff-Aktien werden schon seit Längerem nicht mehr nur von guten Hoffnungen getragen. Die Anleger dürstet es mehr denn je nach klaren Aussichten auf steigende Umsätze und ein Erreichen der Gewinnzone. Ausreden gelten nicht mehr, weshalb die Betreiber auch mal manche unangenehme Entscheidung treffen müssen. Das lässt sich fraglos kritisieren, gerade mit Blick auf öffentliche Gelder, die dabei im Spiel sein mögen. Mitnehmen lässt sich aber vielleicht auch, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten in Sachen Wasserstoff vielleicht endlich etwas mutiger werden müssen, um den Unternehmen Investitionen schmackhafter zu machen.
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