Liebe Leserin, Lieber Leser,
die Börsen wurden am Freitag durch Arbeitsmarktdaten aus den USA kalt erwischt. Eingestellt hatte man sich auf eher maue Zahlen, doch es entstanden 172.000 neue Stellen. Die Prognosen wurden damit um mehr als das Doppelte überboten. Das klingt nach einer guten Nachricht und das ist es wohl auch für knapp 100.000 Amerikaner. An der Börse führt das Ganze aber vor allem zu großen Sorgen.
Gerechnet wird nun damit, dass eine Zinssenkung so schnell nicht passieren dürfte. Manch einer geht sogar schon das Szenario einer Zinssteigerung durch, welches in dieser Woche bei der EZB bereits anstehen könnte. In der Folge wurden an den Märkten eifrig Gewinne mitgenommen. Das betraf auf die zuvor stark performenden Aktien aus dem KI-Segment und bei Wasserstoff bliebt der Ausverkauf nicht unbemerkt.
Bloom Energy im Tiefenrausch
Die Aktie von Bloom Energy ist eng mit dem KI-Boom verwoben. Jedweder Widerstand macht sich daher beim eigenen Aktienkurs direkt bemerkbar. So kam es, dass der Kurs spontan um 9,5 Prozent in die Tiefe driftete. Der Verkaufsdruck scheint weiterhin anzuhalten. Vorbörslich ging es am Montag um weitere 1,9 Prozent abwärts.
Bloom Energy Aktie Chart
Zwar werden noch immer munter neue KI-Rechenzentren aus dem Boden gestampft, bei denen immer häufiger Brennstoffzellen zum Einsatz kommen. Höhere Zinsen könnten aber dafür sorgen, dass sich manch einer mit weiteren Investitionen eher zurückhalten wird. Auch wenn all das noch reine Spekulationen sind, so reicht es dennoch dafür aus, dass an den Märkten manche Zukunftshoffnung neu überdacht wird.
Erneut Liquiditätssorgen bei Plug Power
Plug Power ist von Zinssorgen sogar noch direkter betroffen, was sich beim Kurs auch zeigt. Die Verluste fielen hier mit 10,7 Prozent noch deutlicher aus und der Aktienkurs landete zum Wochenende bei 3,22 Dollar. Ausschlaggebend dafür ist, dass Plug Power auf einem enormen Schuldenberg sitzt und aktuell weiter rote Zahlen schreibt. Je höher die Zinsen sind, desto größer auch die Kapitalkosten und desto größer die Gefahr, dass es in nicht allzu ferner Zukunft wieder einmal eine Kapitalmaßnahme geben könnte.
Die Voraussetzungen dafür hat Plug Power längst geschaffen. Anfang des Jahres holte man sich die Genehmigung der Anteilseigner dafür, den Bestand der Aktien zu verdoppeln. Gezogen wurde diese Option bisher noch nicht. Aufgrund der jüngsten Ereignisse gehen die Aktionäre entsprechende Szenarien momentan aber wohl häufiger im Kopf durch. Drohen könnte eine schmerzhafte Verwässerung, welche offenbar nicht jeder einfach abwarten möchte. Beschlossen wurde nichts, doch jedes Anzeichen für hohe oder höhere Zinsen lässt die Börsianer zusammenzucken.
Nel ASA entledigt sich eines Problems
Bessere Neuigkeiten gab es bei Nel ASA zu sehen. Wie „Der Aktionär“ berichtet, konnten die Norweger einen Rechtsstreit mit Iwatani zu den Akten legen. Dafür müssen zwar 7,5 Millionen Euro in die Hand genommen werden. Dafür drohen nun aber keine weiteren Reibereien und man kann sich mehr auf das Kerngeschäft konzentrieren. Hintergrund der Klage waren Lieferverträge über Betankungsanlagen und zugehörige Dienstleistungen. Nel wies jegliche Anschuldigung zurück und gesteht auch mit dem nun gezogenen Vergleich kein Fehlverhalten ein. Die Anleger reagierten erleichtert. Die Aktie konnte sich etwas von den Korrekturen der letzten Woche erholen und am Montagmorgen um 8,8 Prozent auf 0,28 Euro zulegen.
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