Liebe Leserin, Lieber Leser,
es wird munter darüber diskutiert, wo Wasserstoff eigentlich sinnvoll sein mag und wo nicht. Weitgehend einig sind die Experten sich allerdings, wenn es um das Thema Stahl geht. Dort ist eine Elektrifizierung kaum machbar und eine emissionsfreie Zukunft steht und fällt daher mit grünem Wasserstoff. Auf dem Weg dorthin lassen sich aber noch immer nur kleine Schritte nach vorn feststellen.
Nicht locker lässt der Versorger EWE, welcher in Emden eine 320-Megawatt-Anlage für die Herstellung von Wasserstoff aus dem Boden stampfen möchte. Damit der dort erzeugte Wasserstoff auch bei den Kunden ankommt, startete nun der Bau einer neuen Pipeline. Darüber berichtete die „Welt“. Geplant ist eine etwa 24 Kilometer lange Leitung, welche den Anschluss an das Wasserstoff-Kernnetz sicherstellen soll. Dann sollen 26.000 Tonnen jährlich an Kunden wie Salzgitter weitergeleitet werden.
Salzgitter bleibt am Ball
Dort wird der Wasserstoff auch dringend benötigt, denn grundsätzlich lässt Salzgitter von seinen Plänen für Grünstahl nicht ab. Damit das auch funktionieren kann, muss der alternative Kraftstoff aber auch in ausreichender Menge verfügbar sein, und das bevorzugt zu einigermaßen vertretbaren Preisen. In dieser Hinsicht gibt es noch gewaltigen Nachholbedarf. Daher spielt das Ganze beim Aktienkurs auch weiterhin nur eine untergeordnete Rolle.
Salzgitter AG Aktie Chart
Dass die Salzgitter-Aktie sich im Jahresvergleich um knapp 120 Prozent steigern konnte, ist auf andere Faktoren zurückzuführen. Dazu gehören niedrigere Energiekosten und die Aussicht auf einen stärkeren Schutz der heimischen Stahlindustrie seitens der EU. Wäre Salzgitter ein Pure Player in Sachen Wasserstoff, so würde der Kurs wahrscheinlich eine ganz andere Figur abgeben.
ThyssenKrupp Nucera verliert an Boden
Wie das Ganze aussehen könnte, zeigt die Aktie von ThyssenKrupp Nucera. Abgespalten von der Konzernmutter tut das Unternehmen sich außerordentlich schwer, und das Thema Wasserstoff ist daran nicht ganz unschuldig. Denn dort lassen Aufträge und Umsätze schwer zu wünschen übrig. Besser lief es zuletzt noch im Bereich Chlor-Alkali, doch auch mit Blick darauf werden die Analysten vorsichtiger.
Goldman Sachs hat vor den anstehenden Quartalszahlen die Aussichten noch einmal nach unten angepasst und spricht von Skepsis bezüglich dem Chlor-Alkali-Segment. Vorsichtshalber wurde das Kursziel von 9 auf 8,60 Euro gesenkt. Die Einstufung bleibt auf „Neutral“. Selbst wenn das neue Kursziel erreicht werden sollte, wäre es für die meisten Anleger eine Enttäuschung. Es wären noch immer Kurse unterhalb der Kursstände aus dem vergangenen Jahr, wenn auch etwas mehr als die 7,06 Euro, die heute Mittag auf der Anzeigetafel standen.
ArcelorMittal kann sich sehen lassen
Dass Wasserstoff bei Stahl-Aktien noch weitgehend ignoriert wird, zeigt auch ein Blick auf die Arcelormittal-Aktie. Ziemlich genau ein Jahr ist es nun her, dass der Konzern seine Pläne für eine grüne Stahlproduktion in Bremen und Eisenhüttenstadt stoppte. Dem Aktienkurs hat es nicht weiter geschadet. Im Gegenteil, kurz darauf folgten Sprünge in die Höhe und seither befindet die Aktie sich im Aufwind, allenfalls unterbrochen von Gewinnmitnahmen hier und dort. Der Aktienkurs konnte sich im Jahresvergleich in etwa verdoppeln. Die Gründe dafür sind weitgehend dieselben wie bei Salzgitter. Daran zeigt sich recht unmissverständlich, welches Schattendasein Wasserstoff in den Köpfen vieler Anleger noch fristet. Optimisten sehen darin aber freilich auch ein brachliegendes Potenzial, das nur darauf wartet, eines Tages entfesselt zu werden.
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