Liebe Leserin, Lieber Leser,
es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Deutschland seinen künftigen Wasserstoff-Bedarf nicht einmal annähernd alleine decken können wird. Daher ist die Politik schwer darum bemüht, internationale Abkommen für Importe zu treffen. Am Wochenende wurde ein bedeutender Fortschritt gemeldet. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche unterzeichnete in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad eine neuerliche Absichtserklärung mit dem dortigen Energieminister Abdulasis bin Salman.
Das Wort Absichtserklärung dürfte unter Anlegern ein wenig verpönt sein. Aber ein Fortschritt ist das Ganze dennoch. Neben der Politik beteiligten sich auch Unternehmen an der beabsichtigten Zusammenarbeit. So schlossen mehrere Unternehmen ebenfalls eine Absichtserklärung für die Lieferung von Wasserstoff über den Hafen Rostock. Als einer der Hauptakteure trat EnBW in Erscheinung. Das hat dem Aktienkurs nicht weitergeholfen, der heute Verluste von 1,4 Prozent bis zum Nachmittag zeigte. Sollte auf die Absichtserklärung aber noch ein handfester Vertrag folgen, könnte sich das noch ändern.
Enbw Energie Baden-Wuerttemberg Aktie Chart
Plug Power stürzt weiter ab
Es sind allemal angenehmere Neuigkeiten als jene, die gerade Plug Power schwer zusetzen. In der vergangenen Woche verschob das Unternehmen bekanntlich eine außerordentliche Hauptversammlung. Die Pläne für eine weitere, potenziell massive Kapitalerhöhung fanden nicht genügen Zustimmung bzw. waren gar nicht genügend Anteilseigner virtuell anwesend, um einen entsprechenden Beschluss fassen zu können.
Das allein ist zwar noch lange kein Todesurteil. Die Verschiebung und das beabsichtige Werben um weitere Zustimmung wirkt jedoch ein wenig verzweifelt. Dass Plug Power im Zweifel einen Reverse Split durchzuführen gedenkt, um die gedeckelte Anzahl an Aktien zu umgehen, sorgt nicht für Beruhigung auf Anlegerseite. Die Kapitalerhöhung scheint derart wichtig zu sein, dass sie unter allen Umständen durchgeführt werden soll. Natürlich nährt dies Zweifel an ohnehin chronischen Liquiditätsproblemen bei dem US-Konzern. Die Anleger treten die Flucht an und der Kurs brach am Freitag um 9,7 Prozent bis auf 2,11 US-Dollar ein. Das ist der niedrigste Schlussstand seit etwa zwei Monaten.
ThyssenKrupp Nucera investiert in Indien
Deutlich positiver aufgenommen wurde eine neuerliche Partnerschaft zwischen ThyssenKrupp Nucera und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Vorangetrieben werden soll dabei der Markt für grünen Wasserstoff in Indien. Vielleicht auch vor dem Hintergrund der jüngsten Einigung auf ein Handelsabkommen zwischen Indien und der EU scheinen die Börsianer hier klare Chancen zu erkennen. Die ThyssenKrupp Nucera-Aktie schwang sich heute Morgen um 2,5 Prozent auf 9,20 Euro in die Höhe.
Zwar ist über die angestrebten Investitionssummen nichts weiter bekannt und es sind mit dem Vorhaben auch noch keine Industrieverträge verbunden. Dennoch geht das Ganze über bloße Absichtserklärungen hinaus. Nucera geht eine gewisse Verpflichtung ein und will zudem seine technologische Expertise einfließen lassen. Das Ziel des Ganzen ist es, von den hervorragenden Gegebenheiten in Indien zu profitieren, die dortige Wasserstoffwirtschaft voranzubringen und dadurch mittelfristig lukrative Aufträge an Land zu ziehen.
Langsam, aber sicher?
Die ganz großen Fortschritte in Sachen Wasserstoff lassen noch immer auf sich warten. Der alternative Kraftstoff bleibt selten und teuer. Auch morgen werden wir nicht in Wasserstoffflugzeugen sitzen und Tankstellen bleiben Mangelware. Doch lässt sich an den jüngsten Meldungen erkennen, dass das Thema noch immer eine große Rolle spielt und diverse Akteure aus Politik und Wirtschaft nicht müde werden, am Grundstein für den zukünftigen Erfolg zu feilen. Dafür stürzt sich manch einer auch in die Schulden. Ob Letzteres eine begrüßenswerte Entwicklung ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.
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