Liebe Leserin, Lieber Leser,
die deutsche Bundesregierung hat endlich den Segen der EU, um in Deutschland im großen Stil neue Gaskraftwerke aus dem Boden zu stampfen. Genau das soll nun voller Tatendrang mit neuen Ausschreibungen auf den Weg gebracht werden. Schließlich gelten solche Standorte als elementar, um das hiesige Netz auch in Zeiten von wenig Wind und Sonne am Laufen zu halten. Batteriespeicher allein werden dafür nicht ausreichen. Damit dabei auch für die Nachhaltigkeit gesorgt ist, sollen sämtliche neuen Gaskraftwerke bereit für Wasserstoff sein, um nach aktuellen Planungen ab 2045 vollständig damit betrieben zu werden.
So zumindest steht es auf der Webseite des Bundeswirtschaftsministeriums, wie die „Frankfurter Rundschau“ zu berichten weiß. Die aktuellen Pläne zeigen eine erstaunliche Ähnlichkeit zu den Vorhaben des ehemaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck. Letzterer ist allerdings auch einer der bevorzugten Sündenböcke der CDU. Die Abneigung scheint so weit zu gehen, dass manch einem eine Abgrenzung von Habecks Politik weitaus wichtiger ist als langweilige inhaltliche Fragen oder auch nur eine klare Kommunikation innerhalb der Regierung.
Merz teilt aus, EnBW geht voran
Bundeskanzler Friedrich Merz stieß beim IHK-Neujahrsempfang in Halle am Mittwoch ganz andere Töne an. Laut Merz unterscheide sich der neue Gaskraftwerksplan dahingehend, dass neue Standorte nicht direkt wasserstofffähig sein müssten. Woher diese Information stammen mag, bleibt das Geheimnis des Kanzlers. Dass die Betreiber nicht unbedingt mehr Sicherheit durch derartige Widersprüche erhalten, versteht sich von selbst.
Zumindest bei EnBW wartet man aber gar nicht erst darauf, dass die Politik sich eines Tages mal einig sein mag. Stattdessen ging man bereits vor knapp einem Jahr voran und nahm eines der ersten wasserstofffähigen Gaskraftwerke in Deutschland in Betrieb. Damit wurde längst gezeigt, dass solche Standorte grundsätzlich möglich sind. Gleichzeitig baut EnBW mehrere Kohlekraftwerke zu wasserstofffähigen Gaskraftwerken um. An den technischen Möglichkeiten scheitert es nicht. Gefragt wäre lediglich eine klarere Linie der Politik.
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Rwe plant Großes
RWE wäre wohl auch bereit dazu, bei Wasserstoff-Kraftwerken ein Wörtchen mitzureden. In der Planungsphase befindet der Versorger sich schon seit Längerem, wobei zunächst bereits bestehende Standorte umgerüstet werden sollen. Doch auch dabei schmeißt die Politik den Unternehmen gerne mal Knüppel zwischen die Beine. Nicht selten lassen finale Investitionsentscheidungen quälend lange auf sich warten und das Hin und Her bei der staatlichen Kraftwerksstrategie dürfte schon für manches Fragezeichen im Vorstand gesorgt haben.
Voran geht es bei RWE dennoch, so immer dies möglich ist. Schon seit einigen Jahren arbeitet RWE daran, Kraftwerke umzurüsten und wenigstens teilweise fit für Wasserstoff zu machen. Die Aktie entwickelte sich zuletzt sehr ansehnlich, was aber eher Erfolgen bei neuen Offshore-Projekten zu verdanken ist. Allen Unkenrufen und Merz‘ Behauptungen zu den Kosten der Atomkraft zum Trotz erweisen solche Vorhaben sich noch immer als sehr lukrativ für die Betreiber.
Uniper in Vorbereitung
Dass die Zukunft im Zeichen des Wasserstoffs steht, hat auch Uniper längst erkannt. Erst vor wenigen Tagen kündigte das Unternehmen an, in Zukunft im großen Stil Wasserstoff aus Indien zu importieren. Es dürften weitere Vereinbarungen folgen, um die Versorgung hiesiger Kraftwerke sicherstellen zu können. Recht nüchtern und mit ökonomischen Überlegungen gehen die Unternehmen letztlich an das Thema heran. In der Politik wird hingegen um ideologische Grundsatzfragen gestritten, was am Ende des Tages wirklich niemanden voranbringt. Daher sei auch im Sinne der Anleger gehofft, dass die Bundesregierung sich möglichst bald auf eine Linie einigen und den Betreibern endlich etwas Planungssicherheit zusprechen möge.
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