Liebe Leserin, Lieber Leser,
an der Frage, ob und was Wasserstoff in der Mobilität verloren hat, scheiden sich weiterhin die Geister. Das größte Potenzial auf der Straße wird aber bei Lkw vermutet. Dort gibt es mittlerweile zwar ebenfalls interessante elektrische Varianten. Doch gerade auf der Langstrecke kann Wasserstoff seine Vorteile ausspielen. Die Entwicklung schreitet ständig voran und mit neuen Lkw könnte dafür gesorgt werden, dass auch tatsächlich von Langstrecken die Rede sein kann.
Vorgestellt hat kürzlich der staatliche chinesische Konzern Dongfeng ein neues 400-kW-Brennstoffzellensystem, das auf den Namen „Hydrogen Core“ hört. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber den beiden bisherigen Plattformen mit einer Leistung von 70 respektive 150 kW. Möglich werden sollen nun Reichweiten von bis zu 1.700 km. Dies verspricht zumindest der Hersteller, wie bei „electrive.net“ zu erfahren ist.
Nachholbedarf bei Daimler Truck?
Genauere Angaben machte Dongfeng nicht. Es ist aber schwer davon auszugehen, dass man sich am im China üblichen CLTC-Zyklus orientiert. Jener gilt als recht optimistisch und legte niedrigere Durchschnittsgeschwindigkeiten als der in Europa übliche WLTP-Zyklus zugrunde. Es ist daher davon auszugehen, dass in der Praxis deutlich geringere Werte erreicht werden. Müsste meine Wenigkeit eine Schätzung abgeben, so würde ich mit bestenfalls 1.300 km nach WLTP rechnen.
Das wäre allerdings noch immer recht beeindruckend. Schließlich stellte Daimler Truck bei der Vorstellung des NextGenH2 Truck im Februar „nur“ Reichweiten von „deutlich über 1.000 Kilometern“ in Aussicht. Das ist ein dehnbarer Begriff, der wohl schon ab 1.100 km als erfüllt angesehen werden darf. Da beide Fahrzeuge noch Zukunftsmusik sind, lässt sich noch nicht zwingend behaupten, dass bei Daimler Truck schon Nachholbedarf bestehen würde. Doch ausruhen kann der Konzern sich definitiv nicht, auch wenn das Thema an der Börse weitgehend untergeht und die Dongfeng-Aktie recht unbeeindruckt blieb.
Dongfeng Motor Aktie Chart
Frischzellenkur bei Hyundai
Die Daimler Truck-Aktie plagen ebenfalls andere Sorgen als Wasserstoff, während die Analysten von Goldman Sachs den Titel auf dem aktuellen Niveau als recht gut aufgehoben ansehen. Das Kursziel wurde dort jüngst von 43 auf 45 Euro angehoben; die Einschätzung lautet weiter auf „Neutral“. Immerhin etwas Aufwärtspotenzial scheint es damit zu geben. Die Aktie notierte heute Morgen bei 42,59 Euro.
In Sachen Wasserstoff-Lkw scheint man dem südkoreanischen Hersteller Hyundai auch etwas voraus zu sein. Denn dort wurde jüngst ein Facelift für den Xcient Fuel Cell angekündigt, bei dem die Reichweite von 400 auf immerhin 500 km anwachsen soll. Das klingt im Vergleich etwas bescheiden. Hyundai wähnt sich aber dennoch in der Führungsrolle, da mit Wasserstoff-Lkw bereits über eine Million Kilometer zurückgelegt werden konnten. Mancher Konkurrent befindet sich hingegen bei Ankündigungen zu besseren und ausdauernderen Gefährten bestenfalls in der Konzeptionsphase.
Auf die Infrastruktur kommt es an
Am Ende des Tages ist die Reichweite bei Wasserstoff-Lkw aber nicht unbedingt der entscheidende Faktor. Sämtliche Hersteller sind auf eine passende Infrastruktur angewiesen. Wenn genügen Tankstellen vorhanden wären, ließe sich auch mit Reichweiten unterhalb von 1.000 km arbeiten. Schließlich ist das Nachtanken für gewöhnlich in rund 15 Minuten möglich. Finden sich auf längeren Strecken hingegen nicht genügend Tankstellen bzw. sind jene ungünstig verteilt, so hilft auch die höchste Reichweite nicht viel weiter. Beim Rennen um die Marktführerschaft spielen daher auch Aspekte eine Rolle, welche über technische Details (zukünftiger) Zugmaschinen hinausgehen.
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