Liebe Leserin, Lieber Leser,
gerade erst hat BP frische Quartalszahlen vorgestellt und dabei das Tempo bei der Besinnung auf alte Stärken noch einmal erhöht. Erneuerbare Energien rücken noch mehr in den Hintergrund und Aktienrückkäufe werden kurzerhand ausgesetzt. Solche Maßnahmen sollen mit dazu dienen, in Zukunft noch mehr auf Öl und Gas zu setzen. In diesen Bereichen freut sich der Konzern über eine deutlich höhere Marge als bei Solar- und Windkraft.
Das klingt nicht unbedingt danach, als hätte BP noch ein besonders großes Interesse an Wasserstoff. Doch dort scheint sich an den Investitionsplänen wenig zu ändern. Kürzlich erst warb der britische Ölkonzern für Lingen. Dort entsteht das Projekt Lingen Green Hydrogen, welches ab dem Jahr 2027 bis zu 11.000 Tonnen grünen Wasserstoff jährlich herstellen soll.
Bilfinger greift BP unter die Arme
Das hilft der BP-Aktie eher nicht weiter. An der Börse wird der Rückzug aus Solar- und Windkraft zuweilen skeptisch gesehen. BP geht das große Risiko ein, verstärkt in Infrastruktur zu investieren, die schon in zehn Jahren weitgehend obsolet sein könnte. Darüber hinaus ist jedes Bisschen weniger an Erneuerbaren auch für Wasserstoff eine schlechte Nachricht. Denn ohne einen massiven Ausbau fehlt es schlicht an der Möglichkeit, die Produktion von grünem Wasserstoff voranzubringen.
BP Aktie Chart
Der Bau eines 100-Megawatt-Elektrolyseurs wird dennoch vorangetrieben. Dabei ließ BP kürzlich auch mitteilen, bereits einen Partner für den Bau gefunden zu haben. Darüber soll sich Bilfinger freuen können, wo die Laune der Anteilseigner auch ein gutes Stück besser ausfällt. Die Aktie des Industriedienstleisters konnte vor Kurzem bei 129,30 Euro ein neues Allzeit-Hoch auf die Beine stellen.
Es ist nachvollziehbar, dass die Anleger sich hier erfreuter zeigen. Schließlich ist es für Bilfinger ziemlich uninteressant, ob BP mit seinem Elektrolyseur auch Erfolge feiern kann. Geld verdient hat das Unternehmen bereits mit dem Bau und momentan ist die Hoffnung darauf groß, dass es noch den einen oder anderen Folgeauftrag geben könnte.
Shell: Sonnige Zeiten voraus?
Der BP-Konkurrent Shell besinnt sich ebenfalls stärker zurück auf fossile Energien, gibt Wasserstoff aber nicht einfach aus der Hand. Unweit entfernt von Köln arbeitet der Konzern momentan am Projekt Refhyne 2, das ebenfalls im Jahr 2027 in Betrieb gehen soll. Den dafür benötigten Strom kauft Shell zu und schloss zu diesem Zweck eine Partnerschaft mit dem Offshore-Windanbieter Nordsee One. Interessanterweise sichert sich Shell damit Zugang zu etwa einem Drittel der 332-Megawatt-starken Produktion des Offshore Windparks des Joint Ventures von RWE und Northland Power. Das mag eine Notwendigkeit darstellen. Es zeigt aber auch, dass erneuerbare Energien sogar bei Shell und BP noch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen dürften.
Recht offensichtlich ist, dass die Ölkonzerne das Thema Wasserstoff bevorzugt in Europa und ganz besonders in Deutschland vorantreiben möchte. Darin spiegelt sich vielleicht vor allem das politische Sentiment wieder. Denn während in Europa Wassersoff als unverzichtbar gilt und immer mehr Bereiche darauf setzen sollen, ist das Ganze in den USA unter Donald Trump eher zu einem Nebenschauplatz verkommen. Die großen Energiekonzerne folgen damit dem politischen Wind und Marktvorgaben. Das erscheint momentan opportun, doch warnen Analysten auch davor, dass sich der Kurs eines Tages noch rächen könnte. Für Anleger mag aber vielleicht erst einmal beruhigend wirken, dass einige der größten Energiekonzerne auf dem Planeten trotz Strategieanpassung an Wasserstoff festzuhalten gedenken, wo und wie genau auch immer.
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