Liebe Leserin, Lieber Leser,
die Aktie von Nel ASA hat heute Morgen zwar schon wieder etwas nachgegeben. Dennoch ist dem Papier etwas gelungen, woran viele vielleicht gar nicht mehr geglaubt hätten. In der laufenden Woche konnte erstmals seit November wieder die Marke von 0,20 Euro nach oben durchkreuzt werden. Eben diese Linie wurde im vergangenen Jahr noch lange als Unterstützung verteidigt, mutierte dann jedoch zu einem recht harten Widerstand.
Nun stehen am Donnerstagmittag immerhin wieder 0,21 Euro auf dem Ticker und zumindest charttechnisch hat die Lage sich wieder etwas aufgehellt. Begleitet wurde die Entwicklung auch mit freundlicheren Worten seitens der Analysten. Beobachten lässt sich aber auch in der Breite eine größere Unterstützung für Wasserstoff-Aktien, und das vermutlich nicht ohne Grund.
Wasserstoff im Vorteil?
Der Irankrieg hat die Märkte seit nun schon fast drei Wochen fest im Griff und die Eskalation in Nahost geht auch am Wasserstoffsegment nicht spurlos vorbei. Zu den tragischsten Folgen gehören etliche Tote, darunter auch Kinder, beschädigte Meerentsalzungsanlagen und dergleichen mehr. Am meisten diskutiert wird jedoch der rasante Anstieg von Öl- und Gaspreisen.
Letzterer führt Europa einmal mehr schmerzhaft vor Augen, wie abhängig es noch immer von Energieimporten ist und wie schnell Verwerfungen die Aussichten für die eigene Konjunktur in Frage stellen. Mit Wasserstoff ließen sich derartige Risiken in der Theorie signifikant reduzieren. Noch dazu schmilz aufgrund der steigenden Öl- und Gaspreise der Preisunterschied zwischen den Kraftstoffen. Je länger die derzeitige Krise anhält, desto interessanter wird Wasserstoff daher.
Nel ASA Aktie Chart
ITM Power bleibt auf hohem Niveau
Anfangs fielen die Reaktionen noch eher verhalten aus und es bestand die Hoffnung darauf, dass es sich nur um einen kurzen Anstieg bei den Ölpreisen handeln würde. Nachdem aber nun noch immer kein Ende ist und immer öfter auch die Infrastruktur im Nahen Osten zum Ziel von Drohnen und Raketen wird, schlägt die Stimmung etwas um. Das könnte durchaus dafür verantwortlich sein, dass Wasserstoff-Aktien sich etwas fester zeigen.
Zu beobachten ist dies auch bei ITM Power. Kurssprünge in neue Höhen gab es hier zwar nicht zu sehen. Die Korrekturen nach den letzten erfreulichen Neuigkeiten fielen aber einigermaßen zurückhaltend aus. Die Marke von 0,70 Euro konnte im März bislang einigermaßen entspannt verteidigt werden, was in der Vergangenheit längst nicht immer der Fall war. Zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels standen noch 0,72 Euro auf der Anzeigetafel.
Hyundai und das wertlose Wasserstoffauto
Allerdings gibt es auch gute Gründe dafür, dass Wasserstoff-Aktien noch nicht direkt in den Rallyemodus wechseln. Denn selbst wenn die Ölpreise noch weiter steigen sollten, so wäre ein (teilweiser) Ersatz durch Wasserstoff derzeit noch Zukunftsmusik. Es müssen noch immer etliche Anlagen aus dem Boden gestampft werden. Mittelfristig wären daher allenfalls weitere Investitionen ein möglicher Kurstreiber. Um solche zu rechtfertigen, müsste der Ölpreis aber noch eine ganze Weile länger über 100 US-Dollar je Barrel bleiben.
Um bisherige Kraftstoffe zu ersetzen, braucht es vor allem eine sehr viel bessere Infrastruktur. Das zeigt ein Beispiel aus Norwegen besonders anschaulich. Wie „chip.de“ berichtet, wollte dort ein Ehepaar einen Hyundai Nexo verkaufen, den es sich im Jahr 2019 für rund 70.000 Euro kaufte. Auf einer Online-Plattform gab es dafür ein einziges Gebot in Höhe von 90 Euro. Ohne Tankstellen fällt der Vorteil des schnellen Tankens gegenüber E-Autos schlicht weg. Das ist ein sehr spezieller Fall, der sich aber durchaus auch auf andere Bereiche übertragen lässt. Wasserstoff hat große Chancen, doch es bleibt noch sehr viel zu tun.
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