Die EU-Kommission hat die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance heute freigegeben – mit Auflagen, aber ohne Wenn und Aber bei der Kernentscheidung. Für den rund 110 Milliarden Dollar schweren Deal ist das ein handfester Fortschritt, während in den USA gleichzeitig eine Klage von zwölf Bundesstaaten über dem Vorhaben schwebt.
Brüssel knüpft die Freigabe an eine konkrete Bedingung: Paramount muss seine bestehende Vertriebsvereinbarung mit Universal Pictures in Europa innerhalb von 13 Monaten nach Vollzug des Deals beenden. Die Wettbewerbshüter begründen dies damit, dass Filme des fusionierten Konzerns nicht gemeinsam mit Universal- oder Disney-Produktionen vertrieben werden dürfen. Damit soll verhindert werden, dass die neue Medienmacht ihre Marktposition über verzahnte Vertriebsdeals zusätzlich ausbaut.
Warum die EU-Entscheidung mehr ist als ein Formalakt
Bemerkenswert ist die Begründung der Kommission, weil sie direkt der Argumentation der klagenden US-Bundesstaaten widerspricht. Die Behörde stellte fest, dass auf Filmproduktionsebene im Europäischen Wirtschaftsraum genügend Wettbewerber übrigbleiben – neben den großen Studios wie Disney, NBC Universal und Sony auch kleinere Anbieter wie Amazon MGM, A24 und Lionsgate. Ebenso wichtig: Brüssel definierte Hochbudget- beziehungsweise „Blockbuster“-Filme nicht als eigenen relevanten Markt, sondern lediglich als ein Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb.
Auch bei der Streaming-Frage positionierte sich die Kommission klar. Sie wertet Streaming-Plattformen als direkte Konkurrenten zum linearen Fernsehen und sieht auch in der audiovisuellen Wertschöpfungskette genügend Gegengewicht zum fusionierten Unternehmen. Diese Einschätzungen dürften Paramount in der laufenden juristischen Auseinandersetzung in den USA als Argumentationshilfe dienen.
Mit der EU-Freigabe haben Behörden und Regierungen aus 65 Jurisdiktionen die Transaktion entweder genehmigt oder nicht angefochten – darunter die USA, China, Brasilien und Südkorea. Zusätzlich holte sich Paramount Freigaben für ausländische Direktinvestitionen unter anderem in Deutschland, Frankreich und Italien. Die EU-Kommission genehmigte den Deal zudem uneingeschränkt unter ihrer Regelung zu Auslandssubventionen, auch die österreichische Wettbewerbsbehörde stimmte im Rahmen ihrer Medienfusionskontrolle zu.
Die offene Front bleibt in den USA
Der eigentliche Knackpunkt liegt weiterhin jenseits des Atlantiks. Kalifornien und elf weitere Bundesstaaten reichten am 13. Juli Klage ein, um die Fusion zu blockieren. Ihr Argument: Die Zusammenlegung zweier der fünf größten Studios würde den Wettbewerb im Film- und Kabel-TV-Vertrieb beschädigen – genau jene Marktdefinition, die Brüssel mit seiner heutigen Entscheidung inhaltlich zurückweist.
Paramount, geführt von CEO David Ellison, hatte sich im Februar in einem Bieterverfahren gegen Netflix durchgesetzt und den Zuschlag für Warner Bros. Discovery erhalten. Ob die europäische Argumentation vor US-Gerichten Gewicht bekommt, entscheidet sich in den kommenden Monaten – die Klage der Bundesstaaten bleibt der entscheidende Hebel, der über den finalen Vollzug der Transaktion bestimmt.
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