Wall Street auf Rekordkurs: Amazon knackt 3 Billionen Dollar, Palantir überzeugt mit Rekordwachstum!

Amazon erreicht als fünftes Unternehmen die 3-Billionen-Dollar-Marke, Palantir meldet Rekordumsatz. Ölpreisverfall und starke Industriedaten stützen die Märkte.

Auf einen Blick:
  • Amazon erreicht 3-Billionen-Dollar-Marke
  • Palantir meldet Rekordwachstum und erhöht Prognose
  • Ölpreis fällt wegen geopolitischer Entspannung
  • US-Industrie wächst stärkster seit vier Jahren

Rekordjagd zum Start in den August

Nach einem turbulenten Juli ist die Wall Street mit deutlichen Gewinnen in den neuen Monat gestartet. Der S&P 500 legte 1,5 Prozent zu und näherte sich damit wieder seinem Rekordhoch. Der technologielastige Nasdaq 100 gewann 1,8 Prozent, der Philadelphia-Halbleiterindex SOX kam auf ein Plus von rund 1 Prozent. Die Aktien-Futures deuteten am Morgen auf weitere Gewinne hin, und der Weltaktien-Index von MSCI lag nur noch knapp unter seinem Allzeithoch.

Zwei Faktoren trieben die Rally an. Zum einen der Ölpreis: Die US-Sorte West Texas Intermediate gab mehr als 5 Prozent ab und notierte zeitweise um die 80 Dollar, Brent verzeichnete ähnliche Abschläge. Hintergrund war eine erhoffte geopolitische Entspannung im Nahen Osten, nachdem US-Präsident Trump einen geplanten Militärschlag gegen den Iran absagte. Beide Seiten signalisierten zudem Gesprächsbereitschaft über die Wiedereröffnung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Fallende Energiepreise nehmen Druck von der Inflationsseite und schaffen Spielraum bei den Zinserwartungen.

Zum anderen überzeugten Wirtschaftsdaten: Die US-Industrie expandierte im Juli so kräftig wie seit über vier Jahren nicht mehr, Produktion und Beschäftigung zogen an. Der Markt richtet den Blick damit verstärkt auf die Frage, ob Unternehmen tatsächlich liefern können, statt allein auf Zinsfantasien zu setzen. In dieser Woche legen Unternehmen Zahlen vor, die zusammen rund 15 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 ausmachen.

Amazon knackt die 3-Billionen-Marke, SpaceX vor erstem Quartalsbericht

Der große Gewinner des Tages war Amazon: Die Aktie legte fast 5 Prozent zu und wurde damit als erst fünftes Unternehmen der Geschichte mit über 3 Billionen Dollar bewertet. Getrieben wurde der Sprung von starken Quartalszahlen, insbesondere in der Cloud-Sparte AWS, sowie der anhaltenden Nachfrage im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Nachbörslich kündigte Jeff Bezos an, Aktien verkaufen zu wollen, was die Titel leicht belastete.

Der Berichtskalender bleibt prall gefüllt: Heute steht der erste Quartalsbericht von SpaceX als börsennotiertes Unternehmen an. Am 6. August laufen zudem die ersten Lockup-Perioden bei SpaceX aus – der Kurs notiert derzeit deutlich unter dem IPO-Preis von 135 Dollar.

Ein weiterer Belastungsfaktor für die Marktstimmung kam aus Japan: Der Yen gab einen Teil seiner jüngsten Aufwertung ab und notierte im asiatischen Handel bei rund 157,7 Dollar, nachdem er zuvor binnen vier Tagen um mehr als 4 Prozent gestiegen war. Grundlage war eine gemeinsame Devisenmarktintervention der USA und Japans zur Stützung des Yen – erstmals seit 1998. Ein zu starker Yen birgt laut Marktbeobachtern Risiken für sogenannte Carry Trades, bei denen sich Investoren günstig in Yen verschulden, um weltweit in Risikoanlagen zu investieren. Verwerfungen an dieser Front könnten sich wie ein Dominoeffekt auf andere Märkte übertragen – der Kryptomarkt zeigte sich davon bereits belastet.

Die Anleger blicken nun auf die Arbeitsmarktdaten am Freitag als nächsten wichtigen Test für die Marktstimmung.

Palantir mit Rekordwachstum und angehobener Jahresprognose

Besonders hervor stach am Vortag Palantir. Der Datenanalyse-Spezialist legte nach Börsenschluss Zahlen für das zweite Quartal vor, die im nachbörslichen Handel zeitweise zu einem Kursplus von über 14 Prozent führten.

Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 93 Prozent auf rund 1,94 Milliarden Dollar – das höchste Wachstum der Unternehmensgeschichte und eine Beschleunigung gegenüber dem ersten Quartal mit 85 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 41 Cent und übertraf den Analystenkonsens von 34 Cent deutlich. Die bereinigte operative Marge kletterte auf 62 Prozent, nach 46 Prozent im Vorjahr.

Das US-Geschäft macht über 80 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das kommerzielle US-Geschäft wuchs um 149 Prozent, das Regierungsgeschäft um 90 Prozent. Die Netto-Dollar-Bindung lag bei 157 Prozent. Es wurden 220 Verträge im Wert von mindestens einer Million Dollar abgeschlossen, davon 73 über 10 Millionen Dollar.

Für das dritte Quartal erwartet Palantir einen Umsatz zwischen 2,16 und 2,164 Milliarden Dollar. Die Jahresprognose wurde von zuvor 7,65 bis 7,66 Milliarden Dollar auf 8,15 bis 8,16 Milliarden Dollar angehoben – nach eigenen Angaben die größte Prognoseanhebung der Unternehmensgeschichte. Auch die Free-Cashflow-Prognose wurde auf 4,5 bis 4,7 Milliarden Dollar erhöht.

Trotz des Kurssprungs lag Palantir vor den Zahlen rund 40 Prozent unter dem Höchststand vom vergangenen November und im laufenden Jahr knapp 30 Prozent im Minus. Zuvor hatte der Markt die Aktie unter anderem aus Sorge abgestraft, generische KI-Modelle könnten Unternehmenssoftware ersetzen. Vorstandschef Alexander Karp positioniert das Unternehmen mit dem Konzept „souveräner KI“ ausdrücklich gegen große KI-Modelllabore. Analysten sind sich uneinig über die Bewertung: Kritiker verweisen auf ein hohes Kurs-Umsatz-Verhältnis, Befürworter auf die starke Kundenbindung. Das internationale Geschäft wuchs mit 33 Prozent solide, blieb aber hinter dem US-Wachstum zurück.

Gerüchte um Mega-Fusion: AstraZeneca und Bristol-Myers Squibb

Für Aufsehen sorgten am Wochenende Berichte der Financial Times, wonach der britische Pharmakonzern AstraZeneca und der US-Konkurrent Bristol-Myers Squibb einen Zusammenschluss prüfen. Bloomberg bestätigte entsprechende Gespräche. Ein Deal würde die 74 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Celgene durch Bristol-Myers Squibb aus dem Jahr 2019 übertreffen. Beide Konzerne kamen 2025 zusammen auf rund 107 Milliarden Dollar Umsatz.

Die Marktreaktion fiel verhalten bis negativ aus: AstraZeneca verlor am Montag rund 8 Prozent, Bristol-Myers Squibb gab zeitweise leicht nach. Auf Zwölfmonatssicht steht AstraZeneca mit rund 4 Prozent im Plus, während Bristol-Myers Squibb fast 50 Prozent zulegte.

AstraZeneca hatte erst vergangene Woche erklärt, keine großen Übernahmen zu benötigen, und peilt bis 2030 einen Jahresumsatz von 80 Milliarden Dollar an. Bei Bristol-Myers Squibb drohen ab 2028 sinkende Verkäufe, da wichtige Produkte wie Eliquis und Opdivo ihre Marktexklusivität verlieren. AstraZeneca steht ebenfalls vor einer solchen Patentklippe, allerdings erst ab 2031. Zudem dürften Kartellbehörden wie die FTC bei einem Zusammenschluss der beiden Krebstherapie-Spezialisten Auflagen erteilen.

Bitcoin zwischen Regulierungshoffnung und Vertrauenskrise

Am Kryptomarkt zeigt sich derzeit eine angespannte Gemengelage. Bitcoin notiert unter 64.000 Dollar, bei ungefähr 63.700 Dollar. Der Fear-and-Greed-Index steht bei 25 von 100 Punkten und signalisiert damit extreme Angst.

Regulatorisch richtet sich der Blick auf den „Clarity Act“, ein Marktstrukturgesetz, das die Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC klären soll. Das Repräsentantenhaus verabschiedete die Vorlage bereits im Juli 2025, im Senat hängt das Gesetz jedoch fest. Der Senat geht ab dem 10. August in die Sommerpause, die letzte reguläre Sitzung findet am 7. August statt, eine Abstimmung ist nicht angesetzt. Da im Senat 60 Stimmen nötig sind, trauen Prognosemärkte dem Gesetz nur eine Zustimmungswahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent zu. Streitpunkt ist eine Ethikklausel, die verhindern soll, dass Regierungsvertreter geschäftliche Verbindungen zur Kryptobranche unterhalten.

Zusätzlich belastete ein Sicherheitsvorfall das Vertrauen: Bei einer Serie von Diebstählen wurden über 1.800 Bitcoins bewegt, im Gegenwert von knapp 116 Millionen Dollar. Die Schwachstelle bei einer Hardware-Wallet soll auf ein Software-Update aus dem Jahr 2021 zurückgehen.

Fazit

Die Wall Street befindet sich auf Rekordkurs, gestützt von starken Wirtschaftsdaten und überzeugenden Unternehmenszahlen von Amazon und Palantir. Gleichzeitig sorgen die Gerüchte um eine Mega-Fusion in der Pharmabranche für Skepsis an den Märkten, und der Kryptosektor hat mit regulatorischer Unsicherheit sowie einem Sicherheitsvorfall zu kämpfen. Als nächster wichtiger Termin gelten die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag.

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