Wacker Chemie verabschiedet sich von festen Terminen. Beim Kapitalmarkttag in London strich der Chemiekonzern seine Zielmarke von 10 Milliarden Euro Umsatz für das Jahr 2030 komplett — ohne Ersatz durch ein neues Datum. Der Markt reagierte prompt: Die Aktie verlor am Vormittag 1,9 Prozent auf 86,95 Euro und war damit einziger Verlierer im MDAX.
Statt konkreter Zahlen gibt es künftig nur noch Richtungsangaben. Das Geschäft soll stärker wachsen als die Weltwirtschaft, die Ebitda-Marge soll sich bei etwa 15 Prozent einpendeln, mit zwei Prozentpunkten Spielraum nach oben und unten. Vorstandschef Christian Hartel hatte vor zwei Jahren noch mehr als 20 Prozent in Aussicht gestellt. 2024 lag die Marge bei 13 Prozent, 2025 brach sie wegen Sparprogramm-Kosten auf 7,8 Prozent ein.
Sparprogramm soll Rendite retten
Das Programm namens Refocus soll die jährlichen Kosten bis 2028 um mehr als 300 Millionen Euro senken. Parallel plant Wacker Investitionen von jährlich 300 bis 400 Millionen Euro, konzentriert auf Bereiche wie Elektronik, Gesundheit und Mobilität. Die Kapitalrendite soll auf mehr als 10 Prozent steigen — auch hier ohne festen Zeithorizont.
JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi sieht in den neuen Zielen wenig Überraschendes, bemängelt aber den fehlenden Zeitrahmen und vermisst strukturelle Antworten für das weiterhin kriselnde Solar-Polysilizium-Geschäft. Jefferies-Analyst Marcus Dunford-Castro beließ die Einstufung bei „Hold“ mit einem Kursziel von 93 Euro und zeigte sich von den Aussagen zum dritten Quartal positiv überrascht.
Lichtblick im laufenden Quartal
Hartel rechnet für das dritte Quartal mit einem operativen Gewinn auf dem Niveau des zweiten Quartals, als 211 Millionen Euro zu Buche standen — dank Kosteneinsparungen und einem Sondereffekt aus reduzierten Pensionsrückstellungen. Ohne diesen Effekt wären es 175 Millionen Euro gewesen. Das Chemiegeschäft entwickle sich derzeit etwas besser, das Solargeschäft bleibe dagegen herausfordernd.
Mit Blick auf die vergangenen drei Jahre hat die Aktie fast 40 Prozent verloren, gegenüber dem Jahreswechsel steht aber immer noch ein Plus von rund einem Viertel zu Buche. Ob Refocus die Trendwende bei der Marge tatsächlich bringt, hängt nun stark davon ab, wie schnell sich das Polysilizium-Geschäft stabilisiert.
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