Ein Nettoverlust von 805 Millionen Euro und die komplette Streichung der Dividende lesen sich auf den ersten Blick wie ein Desaster. Beim Spezialchemiekonzern markieren diese Zahlen jedoch eine bewusste Bilanzbereinigung. Während die Altlasten das Papier kurzfristig belasten, richtet der Kapitalmarkt den Blick bereits auf die überraschend starken Prognosen für 2026.
Außerplanmäßige Abschreibungen drücken das Ergebnis
Verantwortlich für das tiefe Rot in den Büchern sind in erster Linie außerplanmäßige Wertberichtigungen in Höhe von rund 600 Millionen Euro. Diese betreffen unter anderem die Beteiligung am Wafer-Hersteller Siltronic sowie Firmenwerte der spanischen Tochter ADL Biopharma. Hinzu kommen hohe Rückstellungen für das Restrukturierungsprogramm „Project PACE“, das weltweit über 1.500 Arbeitsplätze kostet.
Als direkte Folge dieses Kassensturzes schlägt der Vorstand vor, die Dividende für 2025 komplett zu streichen. An der Börse reagierten Anleger heute mit einem moderaten Abschlag, wodurch der Titel bei 72,40 Euro (Börse Frankfurt) notiert. Auch der Umsatzrückgang um vier Prozent auf 5,49 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr verdeutlicht die operative Schwächephase.
Wacker Chemie AG Aktie Chart
Analysten honorieren den Ausblick
Trotz der historischen Verlustzahlen stufen Marktbeobachter die mittelfristigen Perspektiven positiv ein. Ein zentraler Grund dafür ist die Prognose für das erste Quartal 2026, die deutlich über den bisherigen Erwartungen liegt. Die rigorosen Effizienzmaßnahmen greifen offenbar schneller als gedacht. Das Management peilt für das laufende Jahr ein operatives Ergebnis (EBITDA) zwischen 550 und 700 Millionen Euro an.
Die Privatbank Berenberg bestätigte folglich ihr „Buy“-Rating und sieht das Kursziel weiterhin bei 96 Euro. Der leichte Rückstand zum aktuellen 50-Tage-Durchschnitt von 74,62 Euro signalisiert charttechnisch zwar noch eine Konsolidierung, fundamental rückt jedoch die operative Erholung in den Fokus der Investoren.
Das Umfeld bleibt für die deutsche Chemieindustrie angesichts hoher Energiekosten und asiatischer Überkapazitäten anspruchsvoll. Wacker Chemie profitiert derzeit allerdings von einer positiven Preisdynamik im wichtigen Silikongeschäft sowie angekündigten Preiserhöhungen im Polymersegment. Gelingt es dem Konzern, die jährlichen Kosten durch das PACE-Programm wie geplant um 300 Millionen Euro zu senken, bildet das prognostizierte EBITDA-Wachstum eine belastbare Basis für eine fundamentale Neubewertung der Papiere im weiteren Jahresverlauf.
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