Die Erholung der Wacker-Aktie hat einen prominenten Skeptiker gefunden. Berenberg stuft den Chemiekonzern von „Buy“ auf „Hold“ ab und senkt das Kursziel von 104 auf 85 Euro. Das Haus sieht die Story als ausgereizt an.
Berenberg sieht wenig Luft für 2027
Analyst Sebastian Bray rechnet für 2027 kaum mit einer klaren Steigerung des operativen Ergebnisses. Das Polysilicium-Geschäft habe zwar weiterhin Reiz, so seine Einschätzung. Wacker habe den Löwenanteil neuer Kapazitäten aber bereits am Start. Bei anderen großen Akteuren der Halbleiter-Zulieferkette habe die Kurskorrektur zudem schon begonnen.
Damit stellt sich Berenberg gegen den Tenor des Vortags. Die DZ Bank hatte ihren fairen Wert von 89 auf 100 Euro angehoben und die Aktie von „Halten“ auf „Kaufen“ hochgestuft. Das Analystenbild ist also gespalten.
Starkes Quartal als Ausgangslage
Hintergrund der Bewertungsdebatte sind solide Drittquartalszahlen. Der Umsatz wuchs um gut neun Prozent auf 1,47 Milliarden Euro, das Ebitda verdoppelte sich nahezu auf rund 217 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 87 Millionen Euro, nach einem Verlust im Vorjahresquartal.
Getrieben wurde das vor allem vom Effizienzprogramm, das ab 2028 jährlich über 300 Millionen Euro sparen soll. Hinzu kam ein Sondereffekt aus einer Vertragsauflösung im Polysilicon-Geschäft. Teils höhere Preise halfen ebenfalls, weil die asiatische Konkurrenz stärker unter den Folgen des Iran-Kriegs leidet.
Für 2026 bestätigte der Vorstand seine Ziele. Beim operativen Gewinn peilt er nun die obere Hälfte der Spanne von 625 bis 750 Millionen Euro an. Die Nettoverschuldung dürfte dank des Verkaufs von Siltronic-Aktien niedriger ausfallen als geplant.
Polysilicium bleibt der Knackpunkt
Die US-Schutzmaßnahmen für Polysilizium, darunter Mindesteinfuhrpreise und ein pauschaler Zoll von 15 Prozent auf verarbeitete Produkte, sollen Anfang Dezember in Kraft treten. Wacker produziert auch in Charleston im US-Bundesstaat Tennessee. Konzernchef Christian Hartel dämpft die Erwartungen: Die Maßnahmen „belebten“ den US-Sektor nicht wieder. Es brauche echte Anreize, damit Firmen außerhalb der USA dort Polysilizium kaufen.
DZ-Bank-Analyst Peter Spengler erwartet, dass der Konzern die Lage bis Ende 2026 beobachtet. Bei negativem Ausgang rechnet er mit der Stilllegung eines der drei Standorte, nicht aber des Stammwerks Burghausen.
An der Börse legte die Aktie am Donnerstag um rund vier Prozent auf 86,40 Euro zu. Damit liegt sie knapp über dem neuen Berenberg-Ziel von 85 Euro. Das Jahreshoch von fast 106 Euro Anfang Juni bleibt in weiter Ferne.
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