Liebe Leserin, lieber Leser,
der dramatische Ausverkauf bei der Aktie von Vulcan Energy Ressources geht in der neuen Woche weiter. Am vergangenen Donnerstag waren die Papiere des deutsch-australisches Rohstoff- und Energieunternehmen, das sich auf die Produktion von klimaneutralem Lithium und erneuerbarer Geothermie-Energie spezialisiert hat, erstmals unter die Marke von einem Euro gefallen, aktuell verliert die Vulcan-Aktie weitere elf Prozent auf nur noch 0,75 Euro. Der Hintergrund: Während das Lionheart-Projekt am Oberrheingraben mehr und mehr Formen annimmt, fällt der Lithium-Preis derweil ins Bodenlose.
Fallender Lithium-Preis drückt die Aktie
Die Preise für Lithiumcarbonat in China stürzte laut tradingeconomics.com am Montag auf 115.000 CNY pro Tonne (rund 17.184 US-Dollar). Dies war der niedrigste Stand des Jahres, „bedingt durch eine Kombination aus nachlassender Nachfrage und neuen Hinweisen auf ein reichliches Angebot“, wie es heißt. Eine Hiobsbotschaft für Vulcan.
Die EU plane zudem, die Importe chinesischer Hybrid-Elektrofahrzeuge ab dem kommenden Jahr auf jährlich 350.000 Einheiten zu begrenzen. „Nach Einschätzung der Europäischen Kommission dürfte dies den Marktanteil Chinas in der EU halbieren und die Aufträge an Batteriehersteller in der Region einschränken, nachdem jüngste Daten höhere Lithium-Lagerbestände als erwartet ausgewiesen hatten“, so der Bericht.
Vulcan Energy verliert zwei Drittel Börsenwert
Der Branchenverband SMM änderte demnach zugleich seine Methodik zur Erfassung von Lagerbestandsdaten, was zu einem Anstieg der chinesischen Lithium-Vorräte um 175.000 Tonnen führte – doppelt so viel wie zuvor geschätzt. Die Aussichten für Vulcan Energy verschlechtern sich also, noch bevor am Oberrheingraben der kommerzielle Abbau des für Stromspeicher und Elektroautos so begehrten Rohstoffs überhaupt begonnen hat. Zur Einordnung:
- Anfang Mai war die Tonne Lithiumcarbonat noch bei rund 200.000 CNY gehandelt worden
- Seitdem hat sich der Preis um 42,5 Prozent verringert, analog zu Lithiumaktien wie etwa Albemarle
Die Vulcan-Aktie allerdings hat es noch übler erwischt: Allein seit Jahresbeginn haben die Papiere mittlerweile rund 70 Prozent ihres Werts eingebüßt.
Analysten mit extrem hohen Kurszielen
Die Analysten hat all das auf dem falschen Fuß erwischt: Laut marketscreener.com träumen diese noch immer von Kursen zwischen 4,50 und 10,75 Australische Dollar, was einer Range zwischen umgerechnet 2,80 und 6,70 Euro entspricht. Im Klartext: Selbst für die niedrigste Prognose müsste die Vulcan-Aktie sich mittelfristig im Wert mehr als verdreifachen. Dafür allerdings spricht im Moment gar nichts, im Gegenteil.
Da nutze es wenig, dass das Unternehmen Ende September den Start der kommerziellen Produktion des eigenentwickelten Adsorbens VULSORB® in Deutschland bekanntgab. Das Verfahren werde eingesetzt, um Lithium-Ionen selektiv aus Thermalsole zu gewinnen. „Dieser Prozess wird auch als adsorptionsbasierte, direkte Lithiumextraktion, kurz A-DLE, bezeichnet und wurde über mehrere Jahre hinweg an Vulcans Pilotanlagen in Insheim sowie an der Optimierungsanlage in Landau getestet und validiert“, hieß es.
Vulcan will 2028 an den Start gehen
Mit dem Start der kommerziellen Produktion von VULSORB stelle Vulcan die ersten Füllmengen für die Extraktionssäulen des Lionheart-Projekts her, in denen künftig die Lithiumgewinnung im industriellen Maßstab erfolgen soll. Als nächsten Schritt werde das Unternehmen gemeinsam mit seinem Fertigungspartner in den kommenden 18 bis 24 Monaten VULSORB produzieren, um die Inbetriebnahme des Lionheart-Projekts in der zweiten Jahreshälfte 2028 vorzubereiten.
Damit, so hieß es, verfüge Vulcan Energy „über eine der wenigen kommerziell erprobten Technologien dieser Art mit westlichem Ursprung und einer Lieferkette, die vollständig von China unabhängig sei. „In einer Zeit, in der der Zugang zu kritischen Rohstoff-Technologien immer mehr an strategischer Bedeutung gewinnt“, so die damalige Mitteilung.
- Mit einem derartigen Verfall des Lithium-Preises aber haben sie wohl nicht gerechnet
- Die Anleger zeigen keinerlei Pardon – und auch die Vulcan-Akie fällt ins Bodenlose
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