Vulcan Energy Resources baut gerade eines der größten Lithium-Projekte Europas. Trotzdem fällt die Aktie auf ein neues Jahrestief. Zwischen operativem Fortschritt und Börsenbewertung klafft eine deutliche Lücke.
Das australische Unternehmen hat seinen Quartalsbericht für den Zeitraum bis Ende Juni 2026 vorgelegt. Die Botschaft daraus: Das Zero-Carbon-Lithium-Projekt im Oberrheingraben kommt voran, Meilenstein für Meilenstein. Am Markt kommt davon wenig an.
Kassenbestand nach der Milliarden-Finanzierung
Zum Quartalsende verfügte Vulcan Energy über liquide Mittel und kurzfristig verfügbare Einlagen von 273,9 Millionen Euro. Davon liegen 193,9 Millionen Euro als Bargeld vor, weitere 80 Millionen Euro stecken in hochverzinsten Termineinlagen. Diese Reserve folgt auf den finanziellen Abschluss der ersten Projektphase von Lionheart Ende Mai, ein Paket über 2,2 Milliarden Euro.
Die Entwicklungsausgaben im Juni-Quartal beliefen sich auf 92 Millionen Euro. Das Geld floss vor allem in Bauarbeiten und das laufende Bohrprogramm. Seit Jahresbeginn summieren sich die Investitionen damit auf 168 Millionen Euro. Nach Quartalsende ging zudem die erste strategische Kapitaltranche von Investmentpartnern ein — ein weiterer Baustein für die geplante europäische Lieferkette für Batterien.
Baufortschritt in Landau und Frankfurt
Die operative Arbeit hat die Bauphase erreicht. Am 27. Juli startete Vulcan Energy den Hochbau seines Geothermiekraftwerks in Landau mit 30 Megawatt Leistung. Aktuell entstehen Fundamente und Betonstrukturen für die Kraftwerksgebäude.
Im gleichen Quartal schloss das Unternehmen die sechste Produktions- und Reinjektionsbohrung ab — pünktlich und unter Budget. In Frankfurt wächst parallel die zentrale Lithiumanlage im Industriepark Höchst. Dort soll künftig Lithiumchlorid zu batteriefähigem Lithiumhydroxid-Monohydrat verarbeitet werden.
Rückenwind kommt zusätzlich vom Land Rheinland-Pfalz: Es gewährt Vulcan Energy eine fünfjährige Förderabgaben-Befreiung für die Lithiumproduktion, gültig bis 2030. Das verbessert die Projektwirtschaftlichkeit spürbar.
Der Kurs bleibt im Abwärtssog
Am Dienstag rutschte die Aktie auf ein neues 52-Wochen-Tief von 1,55 Euro und schloss bei 1,60 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 37,23 Prozent zu Buche. Zum Oktober-Hoch bei 3,98 Euro fehlen inzwischen fast 60 Prozent.
Der RSI von 30,2 signalisiert eine überverkaufte Aktie — technisch also durchaus Erholungspotenzial. Ob das reicht, um die fundamentale Diskrepanz zwischen Baufortschritt und Bewertung aufzulösen, bleibt offen.
Am selben Tag meldete Vulcan Energy zudem den Verfall von 134.225 Performance Rights. Die Vesting-Bedingungen dafür wurden nicht erfüllt — eine routinemäßige administrative Mitteilung ohne direkten Bezug zum operativen Geschäft.
Die nächsten Monate dürften zeigen, ob der Baufortschritt in Landau und Frankfurt die Anleger überzeugt. Mit dem Kraftwerk im Hochbau und der Lithiumanlage in Frankfurt nähert sich Vulcan Energy dem Übergang von der Bau- zur Produktionsphase.
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