Vonovia liefert operativ gute Zahlen — und trotzdem rutscht die Aktie Richtung Jahrestief. Diese Diskrepanz treibt Anleger am heutigen Donnerstag um. Der Kurs notiert bei 20,11 Euro, nur rund 3 Prozent über der Marke von 19,53 Euro aus dem Juni.
Charttechnik zeigt Schwäche
Die vergangene Woche war hart für den Titel. Binnen sieben Tagen verlor die Aktie 4,8 Prozent, seit Jahresbeginn stehen 18 Prozent Minus zu Buche. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 38,2 — eine überverkaufte Zone, aber noch kein klares Kaufsignal.
Am Mittwoch durchbrach der Kurs wichtige Unterstützungen. Seitdem blicken Marktteilnehmer auf die psychologische Marke von 20 Euro. Hält sie nicht, dürfte der nächste Test dem Jahrestief gelten.
Portfolio-Verkäufe belasten die Bewertung
Ein Grund für den Kursdruck: Käufer bei aktuellen Immobilientransaktionen kalkulieren offenbar hohe Investitionsbedarfe ein. Das drückt auf die Bewertung des verbleibenden Portfolios. Vonovia hält trotzdem an seiner Strategie fest, durch gezielte Verkäufe die Bilanz zu entlasten.
Auf der Finanzierungsseite läuft es dagegen rund. Der Bochumer Konzern hat im laufenden Jahr bereits rund 4,4 Milliarden Euro refinanziert. Die Laufzeit dieser Anleihen liegt im Schnitt bei acht Jahren, der Kupon bei moderaten 3,2 Prozent.
Im Juni platzierte Vonovia zusätzlich eine Wandelanleihe über 850 Millionen Euro. Diese Schritte sichern die Liquidität des Konzerns langfristig ab. Kurz gesagt: An der Finanzierungsfront gibt es wenig zu bemängeln.
Value-add-Geschäft wächst zweistellig
Im operativen Kerngeschäft zeigt sich ein anderes Bild als am Aktienmarkt. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Vonovia das bereinigte EBITDA im Vermietungsgeschäft um 3,5 Prozent auf rund 1,27 Milliarden Euro. Noch stärker legte das Segment „Value-add“ zu, das Immobiliendienstleistungen und das Energiegeschäft bündelt: Hier kletterte das bereinigte EBITDA um 27,6 Prozent auf 128,5 Millionen Euro.
CEO Luka Mucic verwies zuletzt darauf, dass diese Stärke die langsameren Fortschritte im Verkaufsgeschäft ausgleicht. Der Markt für größere Immobilientransaktionen bleibt aber schwierig. Das bremst die Kursfantasie kurzfristig.
Prognose für 2026 bleibt bestehen
Trotz des Kursrutschs hält Vonovia an seinen Jahreszielen fest. Der Konzern erwartet ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro. Beim bereinigten Aktionärsergebnis peilt das Unternehmen 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro an.
Die Zone um 19,50 Euro bleibt damit die entscheidende Marke. Bricht der Kurs nachhaltig darunter, dürfte neuer Verkaufsdruck folgen. Stabilisiert sich die Aktie oberhalb von 20 Euro, öffnet sich der Weg zurück in Richtung der Durchschnittslinien.
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