Steigende Renditen an den europäischen Anleihemärkten haben den Immobiliensektor erneut belastet. Am gestrigen Donnerstag verlor die Vonovia-Aktie im DAX 1,5 Prozent, nachdem anziehende Kapitalmarktzinsen die Finanzierungskosten der Branche wieder in das Blickfeld der Investoren rückten. Mit einem aktuellen Kurs von 16,82 Euro notiert der Titel nur noch 1,3 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief.
Zinsumfeld dämpft die Bewertung
Die Entwicklung an den Kapitalmärkten spiegelt die anhaltende Zurückhaltung der Anleger wider: Seit Jahresanfang summiert sich das Kursminus auf 31 Prozent. Das veränderte Zinsumfeld erschwert Bewertungsansätze für Immobilienbestände und sorgt für Skepsis am Markt.
Parallel dazu passte JPMorgan gestern das Kursziel für den Wohnungskonzern von 34,50 auf 26,00 Euro an, beließ die Einstufung jedoch auf „Overweight“. Die US-Bank reagierte damit auf die Marktbedingungen, sieht aber ausgehend vom ermäßigten Niveau weiteres Erholungspotenzial. Nach der Ausgabe von Bezugsaktien meldete Vonovia zum Ende September zudem eine neue Gesamtzahl von 848.458.878 Stimmrechten.
Investitionen in den Wohnungsbestand laufen weiter
Trotz des herausfordernden Marktumfelds treibt der Konzern Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen voran. Am 23. September begann am Rheinauer Ring in Rastatt die Modernisierung von vier Mehrfamilienhäusern mit 73 Wohnungen. Das veranschlagte Investitionsvolumen beträgt über 4,7 Millionen Euro, wobei die Arbeiten auf rund ein Jahr ausgelegt sind.
Am 24. September schloss Vonovia zudem die Modernisierung am Rudolfplatz in Braunschweig ab. Dort flossen rund vier Millionen Euro in zwölf Gebäude sowie das Wohnumfeld. Mit diesen Maßnahmen konzentriert sich der Konzern auf den Substanzerhalt und energetische Verbesserungen im bestehenden Portfolio, während Neubauprojekte angesichts hoher Finanzierungskosten branchenweit selektiv gehandhabt werden.
Juristische Prüfung und bevorstehende Quartalszahlen
Neben marktseitigen Belastungen sieht sich das Unternehmen auch juristischem Gegenwind ausgesetzt. Die Deutsche Umwelthilfe reichte am 18. September beim Oberlandesgericht Hamm eine Unterlassungsklage gegen Vonovia ein. Gegenstand des Rechtsstreits sind die internen Vorgaben des Konzerns für Mieter bezüglich der Installation von Balkonkraftwerken.
Neue Erkenntnisse zur Ertragslage und zur Zinsbelastung im laufenden Geschäftsjahr dürften die nächsten Wochen liefern. Vonovia hat die Veröffentlichung des Zwischenberichts zum dritten Quartal für den 4. November angekündigt. Marktteilnehmer erwarten Aufschluss darüber, wie sich die gestiegenen Refinanzierungssätze auf das operative Ergebnis ausgewirkt haben.
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