Ein Enteignungsverbot per Bundesgesetz — für Deutschlands größten Wohnimmobilienkonzern klingt das nach genau der Planungssicherheit, die sich Vorstandschef Luka Mucic seit Jahren wünscht. Just an dem Tag, an dem Vonovia seine Halbjahreszahlen vorlegt, kommentiert er die Berliner Pläne so offen wie selten.
Enteignungsverbot als Signal
Anfang Juli hatten sich CDU, CSU und SPD im Koalitionsausschuss darauf verständigt, die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände auf Landesebene per Bundesgesetz zu unterbinden. Vonovia begrüßt den Vorstoß als „wichtiges Signal“ — die eigentliche Lösung der Wohnraumknappheit liege nicht in Enteignung, sondern in verlässlichen Rahmenbedingungen, so Mucic bei der Vorlage der Zahlen in Bochum.
Der Konzern hat handfeste Gründe für sein Interesse an dem Thema. Zusammen mit der Tochter Deutsche Wohnen gehören Vonovia in Berlin gut 138.000 Wohnungen — die Hauptstadt ist damit der größte Einzelmarkt des Unternehmens und zugleich politisch der umkämpfteste. Enteignungsforderungen kommen dort seit Jahren vor allem von der Linkspartei, befeuert durch den Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“. Am 20. September wird das Abgeordnetenhaus neu gewählt, ein Termin, der dem Thema zusätzliche Brisanz verleiht.
Operativ stabil, unter dem Strich schwächer
Bei den Geschäftszahlen zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Durchschnittsmiete legte im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf 8,51 Euro pro Quadratmeter zu, das bereinigte EBITDA stieg um 2,4 Prozent auf 1,457 Milliarden Euro und übertraf damit die Markterwartung von 1,433 Milliarden Euro.
Unter dem Strich blieb dennoch weniger übrig: Der auf die Aktionäre entfallende bereinigte Gewinn sank um 5 Prozent auf 771,6 Millionen Euro, belastet vor allem durch höhere Finanzierungskosten. Diese lagen laut CFO Philip Grosse bei 406 Millionen Euro nach 363 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum — ein Anstieg, der laut Grosse den eigenen Erwartungen entspricht und über eine „proaktive Finanzierungsstrategie“ abgefedert wird. Seit Jahresbeginn hat Vonovia rund 4,4 Milliarden Euro refinanziert und einen guten Teil der Anleihefälligkeiten für 2027 und 2028 bereits abgedeckt.
Schwächer entwickelte sich der operative Free Cashflow, der um 45 Prozent auf 607,5 Millionen Euro zurückging — unter anderem wegen Dividendenzahlungen. Das Segment Development litt unter Marktunsicherheiten im Neubau, zusätzlich fehlte der Einmaleffekt aus einem Grundstücksverkauf an das Land Berlin im Vorjahr, der damals 53 Millionen Euro zum Ergebnis beigesteuert hatte.
Jahresziele bleiben bestehen
Trotz der gemischten Entwicklung hält Vonovia an seinen Prognosen fest: Für das Gesamtjahr peilt der Konzern weiterhin ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro an. Beim organischen Mietwachstum rechnet das Unternehmen nun mit 20 Basispunkten weniger als bisher geplant — Grund ist der Berliner Mietspiegel, der die Kalkulation im wichtigsten Einzelmarkt dämpft.
Für die zweite Jahreshälfte erwartet Mucic eine Belebung in den Vertriebssegmenten Neubau und Wohnungsprivatisierung, die im ersten Halbjahr verhalten liefen. Ob das geplante Enteignungsverbot tatsächlich Gesetz wird, hängt nun am parlamentarischen Verfahren in Berlin — und am Ausgang der Abgeordnetenhauswahl am 20. September.
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