Starke Nachfrage, aber niemand baut. Bei Vonovia prallen derzeit zwei Welten aufeinander. Der Branchenverband GdW schlägt Alarm und prognostiziert einen drastischen Rückgang der Bauinvestitionen. Für den größten deutschen Wohnungskonzern birgt das Chancen und Risiken zugleich.
Investitionen brechen weg
Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft zeichnet ein düsteres Bild. Die bundesweiten Investitionen in Neubauprojekte sollen 2026 massiv einbrechen. Von ehemals 8,1 Milliarden Euro bleiben laut Prognose nur 6 Milliarden Euro übrig.
Verbandspräsident Axel Gedaschko erwartet deshalb deutlich weniger fertiggestellte Wohnungen. Die Gründe dafür sind offensichtlich. Baupreise kletterten seit 2019 um 51 Prozent nach oben. Parallel dazu haben sich die Finanzierungskosten rasant vervierfacht.
Zweischneidiges Schwert für den Konzern
Für Vonovia bedeutet diese Entwicklung eine klare Zäsur. Wachstum über eigene Neubauten wird zunehmend teuer und unattraktiv. Andererseits profitiert der Immobilienriese als klassischer Bestandshalter.
Wenn weniger neuer Wohnraum entsteht, verknappt das den Markt in den Ballungsgebieten zusätzlich. Die Folge: Die Mieten im Bestand könnten weiter steigen. Hinzu kommt ein positiver Impuls aus Berlin. Die Bundesregierung entschärfte zuletzt ein langjähriges politisches Risiko für den Sektor.
Kurs klettert über Widerstand
An der Börse rücken Investoren offenbar die Vorteile in den Vordergrund. Die Vonovia-Aktie notiert am Montag bei 22,45 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen verzeichnet das Papier ein Plus von rund 11 Prozent.
Damit ließ der Kurs den kurzfristigen Durchschnitt bei 21,52 Euro erfolgreich hinter sich. Der Abstand zum jüngsten Jahrestief wächst zusehends. Aktuell liegt der RSI-Indikator bei 63,3. Das signalisiert eine intakte Aufwärtsdynamik, ohne eine Überhitzung anzuzeigen.
Das knappe Angebot auf dem Wohnungsmarkt stärkt Vonovias Preissetzungsmacht bei Bestandsimmobilien. Solange externe Neubauprojekte unwirtschaftlich bleiben, rückt das organische Mietwachstum ins Zentrum der Strategie. Hält die Aktie das Niveau über der 50-Tage-Linie, festigt sich das aktuelle Kaufsignal im Chartbild weiter.
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