Vonovia-Chef Luka Mucic hat sich gegen Pläne zur Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände ausgesprochen. Hintergrund ist ein am Wochenende vorgelegtes Sondierungspapier von Linken, Grünen und SPD in Berlin, das die Überführung privater Mietwohnungen in Landeseigentum anvisiert.
Während steigende Wohnkosten in der Bundeshauptstadt ein dominierendes Thema bleiben, stößt das Vorhaben bei der Führung des Wohnungskonzerns auf entschiedene Ablehnung.
Widerstand auf Bundesebene gegen Berliner Vorstoß
Parallel dazu formiert sich auf Bundesebene Widerstand gegen den Berliner Vorstoß. Die Bundesregierung stimmt derzeit ein mögliches Verbot der Vergesellschaftung von Mietwohnungen zwischen den Ministerien für Inneres, Justiz und Bau ab. Ein konkreter Gesetzentwurf liegt allerdings noch nicht vor.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im Sommer angekündigt, derartige Initiativen durch ein Bundesgesetz stoppen zu wollen. Seine Justizministerin räumte allerdings ein, dass ein solches Vorhaben vor dem Hintergrund des Grundgesetzes kaum möglich sein dürfte. Neben verfassungsrechtlichen Hürden ist auch die Gesetzgebungskompetenz des Bundes umstritten.
Hohe Schwellenwerte und juristische Fragezeichen
Der Entwurf der Berliner Parteien zielt auf private Vermieter mit mindestens 10.000 Wohnungen ab. Den betroffenen Wohnungsunternehmen soll dieser Sockelbestand erhalten bleiben, während darüber hinausgehende Einheiten in Gemeineigentum übergehen sollen. Neben Vonovia wären vier weitere Konzerne betroffen, womit insgesamt rund 160.000 Wohnungen im Fokus stehen.
Ein Analyst der Baader Bank stuft die Realisierungschancen des Vorhabens jedoch als gering ein. Seiner Einschätzung nach fehlt es an einer breiten politischen Mehrheit, zudem bilde der Bund ein erhebliches Hindernis für die Umsetzung. Eine jahrelange juristische Auseinandersetzung gilt in der Branche als wahrscheinlich.
Das Sondierungspapier sieht zudem finanzielle Begrenzungen vor. Die Entschädigungszahlungen sollen insgesamt auf 16 Milliarden Euro gedeckelt werden. Von den Eingriffen ausgenommen bleiben Genossenschaften, gemeinwohlorientierte Anbieter sowie Neubauten, die seit Anfang 2021 fertiggestellt wurden. Ein entsprechendes Landesgesetz wird frühestens für Mitte 2028 angestrebt.
Kurs nahe Jahrestief vor Zwischenbericht
Am Kapitalmarkt sorgt die wiederkehrende Debatte dennoch für Zurückhaltung unter den Investoren. Die Vonovia-Aktie notiert heute bei 16,54 Euro und verbucht einen Tagesverlust von 1,2 Prozent. Der Kurs liegt damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 16,18 Euro.
Für neue Impulse könnte der anstehende Zwischenbericht für das dritte Quartal sorgen, den das Unternehmen am 4. November vorlegen wird. Anleger blicken dabei insbesondere auf die Finanzierungskosten und die Profitabilität der Bestände.
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