Vonovia hat ein Wohnungsportfolio in Lüneburg verkauft. Die Porth Gruppe und Tristan Capital Partners LLP erwerben den Bestand für 55 Millionen Euro, wie Mitte August bekannt wurde. Der Deal umfasst nach lokalen Berichten 972 Wohnungen und reiht sich in die laufende Verkaufsstrategie des Konzerns ein.
Der erzielte Preis liegt deutlich unter jenem Niveau, das Vonovia beim Markteintritt des Portfolios 2024 angepeilt hatte – damals war von rund 90 Millionen Euro die Rede. Dabei handelte es sich jedoch um eine Angebotsvorstellung und keinen abgeschlossenen Abschluss, weshalb sich daraus keine unmittelbare Wertminderung der zugrunde liegenden Immobilien um denselben Prozentsatz ableiten lässt. Dennoch zeigt der Fall, unter welchem Preisdruck Vonovia bei der Portfoliobereinigung derzeit steht.
Refinanzierung kommt voran, Kurs bleibt unter Druck
Operativ hatte Vonovia im ersten Halbjahr rund 700 Millionen Euro an Verkäufen verbucht und gleichzeitig etwa 4,4 Milliarden Euro refinanziert. Der Refinanzierungsbedarf für 2027 sank dadurch auf rund 3 Milliarden Euro.
Die Jahresprognose für 2026 wurde mit einem Mietumsatz zwischen 3,45 und 3,55 Milliarden Euro sowie einem bereinigten EBITDA von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro bestätigt, auch wenn der Konzern das organische Mietwachstumsziel wegen der verzögerten Berliner Mietspiegel-Einführung auf rund 4 Prozent stutzte.
Von dieser operativen Stabilität ist am Aktienmarkt derzeit wenig zu spüren. Am Freitag schloss die Vonovia-Aktie bei 18,07 Euro, ein Plus von 0,5 Prozent auf Tagessicht.
Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Minus von 5,6 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 14 Prozent Verlust. Der Titel notiert damit nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 17,93 Euro und rund 37 Prozent unter dem Hoch der vergangenen zwölf Monate.
Reformforderung trifft auf politischen Gegenwind
Auf regulatorischer Ebene bleibt Vonovia im Konflikt mit der Politik. Konzernchef Luka Mucic hatte bereits im Juni eine Reform der Mietpreisbremse gefordert – die Regeln sollten künftig nur noch für ein Drittel des Wohnungsbestands gelten. Diese Forderung gewinnt vor dem Hintergrund der Berlin-Wahl an Brisanz, bei der die Linke offen mit Vergesellschaftungsforderungen operiert.
Personell hat sich der Vorstand im Sommer verstärkt: Katja Wünschel trat zum 1. Juni als Chief Development Officer ein und bringt mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung aus der Energiebranche mit, zuletzt als Chefin von RWE Renewables Europe & Australia.
Anleger blicken nun auf den 3. November, wenn Vonovia die Zahlen für das dritte Quartal vorlegt. Bis dahin dürfte der Lüneburg-Verkauf als Signal gelten, wie der Konzern mit dem schwierigen Marktumfeld für Immobilientransaktionen umgeht – und ob weitere Portfoliobereinigungen zu ähnlichen Abschlägen folgen.
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