Sondierungspause in Berlin dämpft Enteignungssorgen
Die Unterbrechung der Berliner Sondierungsgespräche zwischen SPD, Grünen und der Linken hat bei Anlegern von Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen für Erleichterung gesorgt. Die politische Debatte um Enteignungen hatte den Immobilienkonzern an den Finanzmärkten immer wieder belastet.
Im vorbörslichen Handel notiert das Papier heute bei 17,00 Euro und liegt damit 0,5 Prozent im Plus. Medienberichten zufolge mahnen Branchenbeobachter jedoch zur Vorsicht: Die kurzfristige Erholung könnte sich auch als rein technische Gegenbewegung nach den vorangegangenen Kursverlusten erweisen.
Hohe Zinsen bremsen das Branchenwachstum
Das fundamentale Marktumfeld für Wohnungskonzerne bleibt herausfordernd. Vor allem das veränderte Zinsniveau verteuert die Refinanzierung und bremst größere Akquisitionen sowie Bauvorhaben im gesamten Sektor. Zugleich setzt die verhaltene Bewertung von Wohnimmobilien die Bilanzen vieler Unternehmen der Branche weiter unter Druck.
Vor diesem Hintergrund passte das Analysehaus Jefferies seine Einschätzung an. Das Kursziel für die Aktie wurde von 28,50 auf 23,00 Euro gesenkt, die Einstufung lautet weiterhin „Buy“.
Analyst Pierre-Emmanuel Clouard begründete den Schritt mit einem schwächeren externen Wachstum, einem langsameren Anstieg der Dividenden sowie erneutem Druck auf die Portfoliowerte europäischer Immobilienunternehmen. Zudem blieben die Finanzierungskosten für laufende und geplante Vorhaben spürbar erhöht.
Neunmonatsbericht rückt in den Fokus
Um sich unabhängiger von rein bestandshaltenden Erträgen aufzustellen, treibt Vonovia den Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts voran. Anfang Oktober stellte der Konzern auf der Fachmesse Expo Real die neue Marke Veveus vor, unter der Angebote rund um das Asset-, Property- und Facility-Management für institutionelle Investoren gebündelt werden. Eigenen Angaben zufolge verwaltet das Unternehmen in diesem Segment bereits rund 75.000 Wohnungen für externe Eigentümer.
Belastbare Fakten zur finanziellen Lage im bisherigen Jahresverlauf erwarten Anleger Anfang des kommenden Monats. Am 4. November veröffentlicht Vonovia den Zwischenbericht für die ersten neun Monate. Die Geschäftszahlen dürften zeigen, inwieweit das operative Geschäft den anhaltenden Zinsbelastungen und Bewertungsabschlägen trotzen kann.
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