Vonovia steckt in einer schwierigen Woche fest. Während die Aktie an der Börse ein neues Jahrestief markiert, kassiert der Wohnungskonzern vor Gericht eine Schlappe: Das Oberlandesgericht Hamm hat einer Unterlassungsklage des Deutschen Mieterbunds gegen zwei Vonovia-Tochtergesellschaften stattgegeben.
Gericht kippt Stromanbieter-Klausel
Konkret geht es um die Deutsche Annington Beteiligungs GmbH und die Vonovia Energie GmbH. Das OLG Hamm entschied am Mittwoch per Anerkenntnisurteil, dass die Unternehmen eine bestimmte Stromanbieter-Klausel nicht länger als Allgemeine Geschäftsbedingung in Mietverträgen verwenden dürfen. Der Mieterbund hatte im April 2025 geklagt.
Mieter der Deutsche Annington können künftig ihren Stromanbieter frei wechseln, ohne durch die beanstandete Vertragsklausel gebunden zu sein. Das Anerkenntnisurteil bedeutet, dass die Vonovia-Tochter die Klage nicht bestritten hat – ein rechtliches Nachgeben, das dem Konzern in der öffentlichen Wahrnehmung als Vermieter mit hoher Marktmacht wenig hilft.
Kurs rutscht weiter ab
Die Nachricht trifft eine Aktie, die charttechnisch ohnehin unter Druck steht. Am Donnerstag markierte das Papier bei 18,46 Euro ein neues Jahrestief, der Abwärtstrend gilt als bestätigt.
Aktuell notiert die Aktie bei 18,45 Euro, nur hauchdünn über dem 52-Wochen-Tief von 18,42 Euro. Der Relative-Stärke-Index von 28,5 signalisiert eine deutlich überverkaufte Situation, was zumindest kurzfristig auf Erholungspotenzial hindeuten könnte.
Der Blick auf die vergangenen Monate zeigt jedoch, wie tief der Fall war: Binnen 30 Tagen hat die Aktie zwölf Prozent verloren, seit Jahresbeginn liegt das Minus bei 25 Prozent. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 20,51 Euro beträgt der Abstand zehn Prozent nach unten.
Bilanzstruktur bleibt solide
Ein Lichtblick bleibt die Finanzierungsseite. Die Ratingagentur S&P hat das BBB+-Rating von Vonovia mit stabilem Ausblick bestätigt. Der Konzern hat 96 Prozent seiner Verbindlichkeiten festverzinst oder abgesichert, die durchschnittlichen Finanzierungskosten lagen Ende Juni bei 2,1 Prozent. Diese defensive Finanzierungsstruktur schützt Vonovia derzeit vor den steigenden Zinsen am Kapitalmarkt, die sich auch im Baufinanzierungsgeschäft bemerkbar machen – die Zinsen für zehnjährige Baudarlehen kletterten zuletzt auf einen Jahreshöchstwert von 3,87 Prozent.
Risiken bestehen dennoch beim geplanten Schuldenabbau über Immobilienverkäufe bis 2028: Ein schwieriges Marktumfeld für Transaktionen könnte diesen Plan erschweren. Charttechnisch bräuchte es laut Analysten einen Ausbruch über Widerstandszonen bei 20,02 Euro sowie über die fallende Trendlinie, um einen Trendwechsel einzuleiten. Als nächstes Abwärtsziel gilt eine Marke von 16,90 Euro, sollte sich der Abwärtstrend fortsetzen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Solide Bilanzkennzahlen und ein bestätigtes Investment-Grade-Rating stehen einem beschädigten Vermieter-Image und anhaltendem Verkaufsdruck an der Börse gegenüber. Die gerichtliche Niederlage bei der Stromklausel dürfte weitere Nachahmer-Klagen von Mieterverbänden nicht ausschließen und das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Vonovia und seinen Mietern nicht entspannen.
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