Luka Mucic steht vor einer unruhigen ersten Hauptversammlung als Vonovia-Chef. Wenn das Management am Donnerstag die Aktionäre nach Bochum bittet, prallen unterschiedliche Interessen aufeinander. Ein handfester Konflikt um die Kapitalverwendung prägt das anstehende Treffen. Mietervertreter und kritische Aktionäre mobilisieren massiv gegen die geplante Gewinnausschüttung.
Dividende trifft auf Widerstand
Vorstand und Aufsichtsrat schlagen vor, gut eine Milliarde Euro des Bilanzgewinns als Dividende auszuschütten. Investoren sollen 1,25 Euro je Anteilsschein erhalten. Das Geld stammt vollständig aus dem steuerlichen Einlagekonto. Inländische Aktionäre kassieren den Betrag daher ohne Abzug von Kapitalertragsteuer.
Aktionärsvertreter haben entsprechende Gegenanträge formuliert. Sie fordern, den kompletten Gewinn in die Sanierung des Wohnungsbestands zu stecken. Das Argument der Kritiker stützt sich auf die hohe Schuldenlast des Immobilienkonzerns und laufende Rechtsstreitigkeiten mit Mietern. Erschwerend kommt der Vorwurf hinzu, das Unternehmen verkaufe bevorzugt unsanierte Objekte.
Milliardenfälligkeiten belasten die Bilanz
Das strukturelle Problem hinter dem Streit ist der hohe Fremdkapitalanteil. Bis Ende 2027 werden Anleihen über fünf Milliarden Euro fällig. Finanzchef Philip Grosse muss diese Papiere zu deutlich schlechteren Konditionen refinanzieren. Die Kosten im zehnjährigen Bereich liegen aktuell bei knapp 4,5 Prozent.
Entsprechend hoch bleibt der Verschuldungsgrad. Die Loan-to-Value-Quote markiert gut 45 Prozent. Bis Ende 2028 will das Management diesen Wert auf rund 40 Prozent drücken.
Stabiles Kerngeschäft
Operativ liefert Vonovia durchaus Argumente für die Ausschüttung. Das bereinigte EBITDA stieg zuletzt um mehr als sechs Prozent. Dieser Zuwachs gelang, obwohl das Portfolio um rund 4.000 Wohnungen schrumpfte. Die Vermietungsquote verharrt bei fast 98 Prozent, flankiert von einem soliden organischen Mietwachstum.
Tiefer in der Gewinn-und-Verlustrechnung fressen die Zinslasten diese Erfolge allerdings auf. Höhere Finanzierungskosten drückten den bereinigten Gewinn je Aktie um sieben Prozent auf 43 Cent.
Umbau im Aufsichtsrat
Neben der Dividende stehen auf der Agenda weitere wichtige Abstimmungen. Die Aktionäre sollen einer reinen Festvergütung für den Aufsichtsrat zustimmen. Künftig erhalten die Mitglieder 132.000 Euro jährlich. Ein Fünftel dieser Summe muss zwingend in Vonovia-Aktien investiert werden.
Personell rückt Dr. Anne-Marie Großmann-Minkwitz als Nachfolgerin für Matthias Hünlein in das Kontrollgremium ein, sofern die Hauptversammlung zustimmt. Zur Abstimmung steht außerdem eine neue Aktienrückkauf-Ermächtigung für bis zu zehn Prozent des Grundkapitals.
Am Aktienmarkt spiegelt sich die angespannte Lage wider. Am Montag schloss das Papier bei 22,12 Euro und verzeichnet damit seit Jahresbeginn ein Minus von gut acht Prozent. Der Abstand zur langfristigen 200-Tage-Linie bleibt zweistellig. Nach dem Aktionärstreffen am Donnerstag rückt der Halbjahresbericht im August in den Fokus — dann muss der Vorstand weitere Fortschritte beim Schuldenabbau belegen.
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