Zehn Jahre, 51 Prozent Mietanstieg. Diese Zahl aus einer neuen DGB-Studie trifft Vonovia am selben Wochenende, an dem bundesweite Mietenstopp-Aktionstage stattfinden. Für den größten Wohnungsvermieter Deutschlands bedeutet das: politischer Gegenwind trifft auf eine Analystenmeinung, die genau in die andere Richtung zeigt.
DGB-Studie zeigt starke Mietsteigerungen
Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat mit Daten des Marktforschungsinstituts Empirica die Mietentwicklung in 40 deutschen Großstädten untersucht. Das Ergebnis: Die Mieten stiegen in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 51 Prozent. Besonders drastisch fiel der Anstieg in Berlin aus.
Dort kletterten die Angebotsmieten von 8,93 Euro pro Quadratmeter Anfang 2016 auf 15,80 Euro Anfang 2026. Das ist ein Plus von 76,9 Prozent. Auch Rostock mit 83 Prozent und Lübeck mit 71,3 Prozent zeigen kräftige Zuwächse.
Die Zahlen erscheinen nicht zufällig jetzt. Von Freitag bis Sonntag finden bundesweite Mietenstopp-Aktionstage statt. DGB-Vizechef Stefan Körzell fordert dabei entschiedenere politische Maßnahmen. Als größter börsennotierter Wohnungsvermieter gerät Vonovia in solchen Debatten regelmäßig ins Visier von Mieterinitiativen.
JPMorgan bleibt bei Kaufempfehlung
Während die Mietdebatte an Schärfe gewinnt, bleiben Analysten gelassen. JPMorgan bekräftigte am 2. Juli seine Kaufempfehlung für die Aktie. Das Kursziel von 34,50 Euro liegt deutlich über dem aktuellen Kursniveau.
Die Bank sieht damit erhebliches Aufwärtspotenzial. Diese Einschätzung fällt in eine Phase, in der Vonovia operativ zuletzt Zuversicht ausgestrahlt hatte.
Kursverlauf zeigt Erholung
Die Vonovia-Aktie schloss am Freitag bei 22,40 Euro, ein leichtes Minus von 0,53 Prozent zum Vortag. Über sieben Tage steht dennoch ein Plus von 4,09 Prozent zu Buche. Auf Monatssicht liegt der Anstieg sogar bei 10,45 Prozent.
Der Kurs notiert damit 14,70 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro vom 9. Juni. Zum 52-Wochen-Hoch von 29,28 Euro fehlen aber noch 23,50 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 7,13 Prozent zu Buche.
Technisch zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Aktie notiert 4,04 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 21,53 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 24,23 Euro fehlen jedoch 7,57 Prozent — die kurzfristige Erholung hat den längerfristigen Abwärtstrend noch nicht ausgeglichen.
Zwei Kräfte, ein Titel
Die öffentliche Debatte über steigende Mieten dürfte den regulatorischen Druck auf große Vermieter aufrechterhalten. Gegensteuern will die Politik parallel mit zusätzlichem Wohnungsangebot. Das Bauministerium verweist etwa auf das kürzlich gestartete Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“.
Für die Vonovia-Aktie bleibt damit ein Spannungsfeld bestehen: politischer Gegenwind bei der Mietenregulierung auf der einen Seite, ein optimistisches Kursziel von JPMorgan auf der anderen. Wie sich dieses Spannungsfeld in den kommenden Wochen auf den Kurs auswirkt, dürfte sich erst zeigen, wenn neue politische Beschlüsse oder Quartalszahlen vorliegen.
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