Bei Vonovia gehen die Meinungen der Analysten derzeit deutlich auseinander. Barclays hat das Kursziel für den größten deutschen Wohnungskonzern am Dienstag spürbar gesenkt und sieht die Aktie nun bei 20 Euro fair bewertet. Goldman Sachs hält dagegen: Das Institut bleibt positiv gestimmt und nennt weiterhin ein Kursziel von 29,50 Euro.
Die Aktie selbst reagierte auf die gegensätzlichen Einschätzungen kaum. Sie notiert aktuell bei 19,96 Euro und damit nur knapp über dem am 9. Juni markierten 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro. Der geringe Abstand zu dieser Marke unterstreicht, wie wenig Spielraum die Aktie derzeit nach unten hat – und wie wenig Vertrauen der Markt trotz der Zuversicht einzelner Analysten aufbringt.
Zinsumfeld belastet Immobilienwerte
Die Kursziel-Divergenz zwischen Barclays und Goldman Sachs fällt in eine Phase, in der die Anleiherenditen weltweit deutlich gestiegen sind. Nach Einschätzung des Analysten Ali Masarwah treiben eine anziehende Inflation, hohe Staatsverschuldung und geopolitische Spannungen rund um den Iran-Konflikt die Renditen nach oben. Die zehnjährige Bundrendite kletterte auf 3,25 Prozent – der höchste Stand seit 2011.
Für einen kapitalintensiven Wohnungskonzern wie Vonovia sind steigende Zinsen ein zentrales Risiko: Höhere Refinanzierungskosten schmälern die Rendite auf Immobilienbestände und erschweren neue Investitionen. Das gilt auch für den Staat selbst: Das deutsche Staatsdefizit stieg im ersten Halbjahr auf 71,3 Milliarden Euro und damit auf 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – über der Maastricht-Grenze von 3 Prozent.
Die Zinsausgaben des Bundes legten dabei um 11,6 Prozent auf 27,3 Milliarden Euro zu, ein Trend, der die allgemeine Finanzierungslandschaft für alle zinssensitiven Branchen verteuert.
Konjunkturdaten liefern gemischte Signale
Auf der anderen Seite zeigte sich die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal robuster als zunächst gemeldet: Das Statistische Bundesamt revidierte das Wachstum von 0,2 auf 0,3 Prozent zum Vorquartal, das dritte Plus in Folge. Auch das Ifo-Geschäftsklima kletterte im August zum vierten Mal in Folge und übertraf mit 88,8 Punkten die Erwartungen der Ökonomen.
Solche Signale einer konjunkturellen Stabilisierung könnten mittelfristig auch dem Wohnungsmarkt helfen, etwa über eine solidere Nachfrage und stabilere Mieteinnahmen. Kurzfristig dominiert jedoch die Zinsdebatte das Anlegerinteresse an Vonovia. Die massiv gestiegenen Anleiherenditen wirken wie ein Gegengewicht zu den positiveren Konjunktursignalen, und genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Aktie derzeit.
Was die Aktie jetzt bewegt
Für Anleger bleibt die Kursziel-Spanne zwischen 20 und 29,50 Euro der entscheidende Orientierungspunkt. Barclays’ Skepsis spiegelt die Sorge vor anhaltend hohen Finanzierungskosten wider, während Goldman Sachs offenbar auf eine mittelfristige Stabilisierung des Zinsumfelds setzt.
Solange die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf mehrjährigen Höchstständen verharrt, dürfte der Druck auf Immobilienwerte wie Vonovia bestehen bleiben. Die kommenden Wochen, insbesondere weitere Aussagen zur Zinsentwicklung, werden zeigen, welche der beiden Analystensichten sich als treffender erweist.
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