Zwei renommierte Bankhäuser blicken am heutigen Montag mit gegensätzlichen Vorzeichen auf Vonovia. Während Barclays der Aktie ein Kursziel von nur 20 Euro zutraut und zum Verkauf rät, sieht Goldman Sachs bei 29,50 Euro noch deutliches Potenzial und bleibt bei „Buy“. Für Anleger des größten deutschen Wohnimmobilienkonzerns ergibt sich daraus ein widersprüchliches Bild.
Barclays wechselt die Bewertungsmethode
Barclays-Analyst Paul May senkte sein Kursziel für Vonovia von zuvor 23 auf 20 Euro und bestätigte die Einstufung „Underweight“. Bemerkenswert ist dabei weniger die Zielsenkung selbst als die Begründung: May stellt seinen Bewertungsansatz um und orientiert sich künftig am freien Cashflow statt an der bisherigen Gesamtrendite-Betrachtung (Total Asset Return). Diese methodische Neuausrichtung deutet darauf hin, dass Barclays der reinen Substanzbewertung von Immobilienkonzernen skeptischer gegenübersteht als der tatsächlichen Fähigkeit, Kapital zu erwirtschaften und auszuschütten.
Der Aktienkurs reagierte am Montag mit leichten Abschlägen auf die Studie. Vonovia notiert aktuell bei 19,96 Euro und damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro, das erst kürzlich markiert wurde. Der Abstand zu diesem Tief beträgt gerade einmal 2,2 Prozent – ein Hinweis darauf, wie stark der Titel unter Druck steht.
Goldman Sachs bleibt trotz Kürzung optimistisch
Ganz anders fällt die Einschätzung von Goldman-Sachs-Analyst Jonathan Kownator aus. Zwar kappte auch er sein Kursziel deutlich, von 34,20 auf 29,50 Euro, begründete den Schritt aber mit angepassten Schätzungen infolge des Halbjahresberichts und gestiegener Kapitalkosten – nicht mit einer grundsätzlich negativeren Einschätzung des Geschäftsmodells.
Die Einstufung „Buy“ bekräftigte er ausdrücklich. Zwischen den beiden Kurszielen liegen damit fast zehn Euro, was die Unsicherheit unter Analysten über die faire Bewertung von Vonovia unterstreicht.
Kursverlauf spiegelt Skepsis der Anleger
Der breitere Kursverlauf gibt derzeit eher den pessimistischeren Stimmen recht. Seit Jahresanfang hat die Aktie rund 19 Prozent verloren, auf Sicht von zwölf Monaten sogar etwa 30 Prozent. Damit notiert der Titel klar unter seinen gleitenden Durchschnitten und rund 31 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 29,03 Euro, das im August vergangenen Jahres erreicht wurde.
Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt bei gut 17 Milliarden Euro. Für Anleger bleibt die Situation damit ambivalent: Auf der einen Seite steht ein Analyst, der auf sinkende Cashflows und Verkaufsdruck setzt, auf der anderen ein Haus, das trotz gesenkter Erwartungen an eine Erholung glaubt.
Welche Sichtweise sich durchsetzt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Finanzierungskosten des Immobilienkonzerns in den kommenden Quartalen entwickeln – ein Faktor, den beide Analysten in ihren jeweiligen Begründungen explizit anführen.
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