Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern könnte vor dem Einstieg in ein bedeutendes Drittmandat stehen. Laut einem Bericht des Branchendienstes Green Street News zeichnet sich ab, dass Vonovia künftig ein milliardenschweres Wohnungsportfolio für den schwedischen Pensionsfonds Alecta verwalten könnte. Es wäre für das Bochumer Unternehmen der erste Großauftrag dieser Art zur reinen Bewirtschaftung fremder Bestände.
Verhandlungen über Wohnungsbestand in Nordeuropa
Hintergrund der Entwicklung sind laufende Verhandlungen zwischen Alecta und dem Immobilienunternehmen Heimstaden Bostad über die Aufteilung einer gemeinsamen Vermögensbasis von rund 25 Milliarden Euro. Der Pensionsfonds erwägt, seine Beteiligung von 38,7 Prozent gegen einen direkten Portfolioanteil abzulösen. Die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri berichtete parallel über diese Gespräche.
Das betroffene Portfolio umfasst rund 50.000 Wohnungen und wird mit etwa zehn Milliarden Euro bewertet, was umgerechnet rund 110 Milliarden schwedischen Kronen entspricht. Die Einheiten verteilen sich auf Schweden, Norwegen, Dänemark und Deutschland. Eine offizielle Bestätigung der Verwalterrolle liegt bislang nicht vor.
Für Vonovia würde ein solcher Schritt eine gezielte Erweiterung der bisherigen Strategie darstellen. Der Konzern besitzt europaweit rund 530.000 Wohnungen, darunter etwa 40.000 Einheiten in Schweden, die über die Tochtergesellschaft Victoriahem gehalten werden. Die Übernahme reiner Management-Dienstleistungen böte die Chance auf laufende Gebühreneinnahmen, ohne dafür eigene Bilanzmittel für Bestandskäufe binden zu müssen.
Reaktionen in Schweden und Kapitalmaßnahmen
In Schweden stößt der mögliche Wechsel bereits auf Aufmerksamkeit. Der dortige Mieterbund Hyresgästföreningen warnte vor den Auswirkungen auf die anstehenden Mietverhandlungen und brachte bereits eine Neuverhandlung von Vereinbarungen ins Spiel.
Parallel meldete Vonovia am heutigen Mittwoch eine Veränderung der Stimmrechtsbasis zum Monatsende. Nach der Ausgabe von Bezugsaktien im Rahmen einer bedingten Kapitalerhöhung beläuft sich die Gesamtzahl der Stimmrechte nun auf exakt 848.458.878 Stück, wobei keine Mehrfachstimmrechte bestehen.
Kursschwäche belastet Immobilienwerte
Am Aktienmarkt sorgten die Berichte über das Skandinavien-Mandat zunächst für leichte Zuwächse, doch die Stimmung drehte im Tagesverlauf ins Minus. Die Vonovia-Aktie notiert heute bei 17,02 Euro, was einem Rückgang von 2,5 Prozent entspricht. Am Vortag lag der Schlusskurs noch bei 17,46 Euro.
Die Zurückhaltung der Anleger spiegelt das schwierige Gesamtumfeld für die Branche wider. Neben dem anhaltenden Zinsniveau sorgt im Heimatmarkt insbesondere die politische Lage für anhaltende Verunsicherung. Die vor über einem Monat durch die Berliner Linke wiederbelebte Debatte über Vergesellschaftungen großer Wohnungsbestände wiegt für Investoren unverändert schwer, zumal Vonovia in der Hauptstadt mehr als 130.000 Wohnungen hält.
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