Vonovia Aktie: 45,4 Prozent Cashflow-Einbruch

Der Wohnimmobilienkonzern Vonovia passt seine Prognose für das organische Mietwachstum 2026 an. Grund ist eine vorsichtigere Auslegung des Berliner Mietspiegels, die das Wachstum um 20 Basispunkte reduziert.

Auf einen Blick:
  • Prognose für Mietwachstum gesenkt
  • Berliner Mietspiegel vorsichtiger ausgelegt
  • Halbjahreszahlen bestätigen Jahresziele
  • Refinanzierung schreitet planmäßig voran

Vonovia hat seine Wachstumsprognose für die organischen Mieteinnahmen 2026 nach unten korrigiert. Grund ist die Anwendung des Berliner Mietspiegels, den Konzernchef Luka Mucic vorsichtiger auslegt als rechtlich möglich.

Statt der maximal zulässigen 6,9 Prozent setzt Vonovia in Berlin nur eine Erhöhung von 4,8 Prozent durch – eine Entscheidung, die das organisch angepeilte Mietwachstum für den Gesamtkonzern um 20 Basispunkte auf rund 4 Prozent drückt.

Mucic begründete den Schritt mit Erschwinglichkeitsüberlegungen und politischen Rücksichten. Das Unternehmen habe das verbleibende Erhöhungspotenzial jedoch nicht aufgegeben, sondern könne es zu einem späteren Zeitpunkt noch nutzen.

Bereits im Juni hatte Vonovia mitgeteilt, dass die Mieterhöhungen in Berlin im Schnitt bei 4,8 Prozent liegen, was einer Erhöhung von rund 35 Cent je Quadratmeter Kaltmiete entspricht.

Die monatliche Zusatzbelastung für betroffene Haushalte sollte demnach bei maximal etwa 70 Euro liegen, wobei ein Sozialmanagement für Mieter mit einer Wohnkostenbelastung von mehr als 30 Prozent des Nettohaushaltseinkommens greift.

Halbjahreszahlen bestätigen Jahresziele trotz schwächerem Cashflow

Die zurückhaltendere Mietsteigerung in Berlin trübt die operative Entwicklung insgesamt nicht. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Vonovia das bereinigte EBITDA um 2,4 Prozent auf 1.456,5 Millionen Euro.

Der Vermietungsbereich legte beim bereinigten EBITDA um 3,5 Prozent auf 1.268,6 Millionen Euro zu, während das Value-Add-Segment sogar ein Plus von 28 Prozent auf mehr als 128 Millionen Euro verzeichnete.

Auf der Ergebnisseite zeigte sich allerdings eine gegenläufige Entwicklung: Das bereinigte Periodenergebnis sank um 4,9 Prozent auf 771,6 Millionen Euro, umgerechnet 0,91 Euro je Aktie. Deutlich stärker fiel der Rückgang beim operativen Free Cashflow aus, der um 45,4 Prozent auf 607,5 Millionen Euro einbrach.

Trotz dieser Belastungen bestätigte Vonovia seine Jahresprognose vollständig: Für 2026 peilt der Konzern ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro an, ein bereinigtes EBT von 1,9 bis 2,0 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes Periodenergebnis von 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro.

Refinanzierung kommt voran, politisches Risiko bleibt

Auf der Finanzierungsseite machte Vonovia im ersten Halbjahr Fortschritte. Bis zum Berichtszeitpunkt hatte der Konzern bereits 4,4 Milliarden Euro refinanziert, wodurch sich der verbleibende Refinanzierungsbedarf für 2027 auf rund 3 Milliarden Euro reduziert.

Ergänzend realisierte Vonovia im ersten Halbjahr Immobilienverkäufe im Volumen von 700 Millionen Euro. Zudem erhöhte der Konzern seinen Anteil an der QUARTERBACK New Energy Holding GmbH auf 80 Prozent.

Politisch bleibt der Wohnungskonzern jedoch im Fokus. Laut dpa begrüßte Mucic Anfang des Monats ein geplantes Bundesgesetz zum Enteignungsverbot für Mietwohnungsbestände als „wichtiges Signal“ der Bundesregierung für berechenbare Rahmenbedingungen.

Kurz darauf brachte der Linken-Vorsitzende laut dpa-afx erneut die Enteignung großer Wohnungskonzerne ins Gespräch – unmittelbare rechtliche Konsequenzen sind daraus bislang nicht entstanden, dennoch bleibt das Thema ein Unsicherheitsfaktor für Anleger.

Aktie nahe Jahrestief

An der Börse spiegelt sich die durchwachsene Gemengelage im Kursverlauf wider. Vonovia schloss am Donnerstag bei 20,01 Euro und liegt damit nur noch 2,5 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro, das erst kürzlich markiert wurde.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie 18 Prozent verloren, auf Sicht von zwölf Monaten summiert sich das Minus auf 29 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 29,03 Euro, erreicht im August des vergangenen Jahres, trennen das Papier mittlerweile 31 Prozent.

Der nächste wichtige Termin für Anleger ist die Zwischenmitteilung zum dritten Quartal, die Vonovia für den 4. November angekündigt hat. Dann dürfte sich zeigen, ob die vorsichtigere Mietstrategie in Berlin tatsächlich nur eine temporäre Bremse für das Wachstum darstellt oder sich als dauerhafter Belastungsfaktor erweist.

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