Der Aufsichtsrat von Volkswagen berät in einer Woche über den größten Umbau der Unternehmensgeschichte. Wie Reuters berichtet, stehen sich Management, Gewerkschaft und das Land Niedersachsen dabei mit konkurrierenden Vorschlägen gegenüber – ein Machtkampf, der als zentraler Treiber für die jüngste Kursbewegung der Aktie gilt.
Drei Lager, ein Termin
Am 4. September soll die Entscheidung fallen. Laut Reuters haben Gewerkschaftsvertreter und das Land Niedersachsen bereits alternative Turnaround-Vorschläge ausgearbeitet, die dem Managementplan von CEO Oliver Blume entgegengesetzt werden. Reuters berichtet zudem von wachsendem Widerstand gegen Blumes Restrukturierungskurs auf Aufsichtsratsebene – demnach liegen mittlerweile zwei Gegenentwürfe vor.
Damit der Aufsichtsrat vor dem entscheidenden Termin überhaupt vollständig besetzt ist, soll laut Reuters Marianne Heiss den vakanten Anteilseignersitz übernehmen und zugleich den Vorsitz im Prüfungsausschuss erhalten. Die Personalie unterstreicht, wie sehr sich der Konzern auf die Sitzung vorbereitet – und wie knapp die Machtverhältnisse offenbar sind.
Inhaltlich geht es um die Kernbotschaft, die Blume laut einem von Reuters zitierten internen Memo bereits im August formulierte: Die Kosten des Konzerns lägen 30 Prozent über denen der Konkurrenz.
Der CEO drängt deshalb auf weitere Einschnitte, während Gewerkschaften Entlassungen und Werksschließungen ablehnen. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies forderte laut Reuters gemeinsames Handeln, um Werksschließungen an mehreren Standorten zu verhindern.
Unruhe in der Belegschaft
Der Streit bleibt nicht auf die Führungsebene beschränkt. Reuters berichtete, Mitarbeiter hätten die externe Kommunikation des Vorstands als „desaströs“ kritisiert.
Eine interne Umfrage zeigte demnach erhebliche Verunsicherung bei Beschäftigten und ihren Familien wegen der Job- und Werksperspektiven. Für Anleger ist das ein Signal: Der Konflikt um den Sparplan hat längst eine soziale Dimension erreicht, die die Umsetzung jeder Entscheidung erschweren könnte.
Parallel belastet ein weiterer Streitpunkt das Auslandsgeschäft. Das Mumbai High Court nimmt laut Reuters die Anhörung zu einer indischen Steuerforderung über 1,4 Milliarden US-Dollar wieder auf. Gleichzeitig treibt Volkswagen sein Indien-Engagement voran: Reuters zufolge laufen Gespräche über ein Joint Venture mit JSW, Skoda-Chef Klaus Zellmer stellte einen Abschluss noch in diesem Jahr in Aussicht.
Kurs zeigt Nervosität und Zuversicht zugleich
Die Aktie reagiert auf die Gemengelage mit deutlichen Ausschlägen. Am heutigen Freitag springt das Papier um 3,5 Prozent auf 77,52 Euro, nachdem es bereits über die vergangenen sieben Handelstage um 3,4 Prozent zugelegt hatte. Damit liegt der Kurs 4,6 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, bleibt aber 14 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass die kurzfristige Erholung den langfristigen Abwärtstrend noch nicht durchbrochen hat. Seit Jahresbeginn steht weiterhin ein Minus von 26 Prozent.
Goldman Sachs senkte Ende der vergangenen Woche das Kursziel für die Vorzugsaktien von 89 auf 88 Euro und bestätigte die Einstufung „Neutral“ – ein moderater Schritt, der die grundsätzliche Unsicherheit vor der Aufsichtsratssitzung widerspiegelt.
Für Anleger bleibt der 4. September der entscheidende Termin: An diesem Tag zeigt sich, welches der konkurrierenden Sanierungskonzepte sich durchsetzt – und wie viel Kompromissbereitschaft zwischen Management, Belegschaft und Politik tatsächlich besteht.
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